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Erstes Buch. Die Begründer.
— den Smith nicht vom Zins unterscheiden kann 1 ) —• ist gleichfalls hin
fällig geworden. Seine Lohntheorie ist ebenfalls durchaus ohne Zusammen
hang. Ohne sich für eine bestimmte Lösung entscheiden zu können,
schwankt Smith zwischen dem Gedanken des auf das Existenzminimum
beschränkten Lohnes und des durch Angebot und Nachfrage bestimmten
Lohnes hin und her.
Man hat bald bemerkt, daß Smith’s Theorie von der Güterverteilung
seiner Theorie von der Gütererzeugung nachsteht, und J.-B. Say hielt
es für einen seiner Ruhmestitel, sie vervollkommnet zu haben. Ricardo
macht das Problem der Güterverteilung zum Hauptgegenstand seiner
Untersuchungen. Doch weiß man, daß diese Theorie der Güterverteilung
das am wenigsten Originelle im Werke Smith’s ist; sie ist sozusagen seinem
ersten Plane aufgepfropft worden, in dem die Untersuchung der Produktion
fast den ganzen Platz einnimmt. Das läßt sich leicht aus einer Vergleichung,
des Völkerreichtums mit den Vorlesungen Smith’s in Glasgow gegen 1763,
die sich nur mit der Produktion befassen, erkennen. Dem Einflüsse der
Physiokraten, deren Bekanntschaft er in der Zwischenzeit gemacht hat,
muß man die Einfügung der Theorie der Güterverteilung in Smith’s
ersten Plan, der sich wahrscheinlich nicht damit beschäftigte, zuschreiben.
Die Schwankungen und Unsicherheiten, die dieser Teil des Werkes auf
weist, lassen sich aus der Tatsache erklären, daß sie Smith nicht so ein
gehend durchdacht hatte, wie die anderen Abschnitte.
Wir brauchen daher hier nicht weiter darauf einzugehen. Von unserem
Ausgangspunkte aus bleibt nur noch übrig, die Schlußfolgerungen an
zuführen, die Smith aus seiner Werttheorie gezogen hat, um die spontane
Anpassung der Erzeugung der Güter an ihre Nachfrage zu beweisen.
Man kann schon jetzt voraussehen, wie sich die Sachen dank den
Preisschwankungen abspielen werden. Lassen wir unserem Schriftsteller
das Wort: „Wenn die feilgebotene Quantität die wirksame Nachfrage
übersteigt, so kann sie nicht ganz an diejenigen verkauft werden, welche
den ganzen Wert der Rente, des Gewinnes und der Arbeit, welche bis zur
Feilbietung ausgelegt werden mußten, zu bezahlen geneigt sind. Ein Teil
der Waren muß dann an diejenigen abgelassen werden, welche weniger
zahlen wollen, und der niedrige Preis, den diese erlegen, muß den Preis
des Ganzen herunterdrücken. Der Marktpreis wird nun mehr oder weniger
unter den natürlichen Preis sinken, und zwar in dem Maße, als die Größe
des Überflusses den Wettbewerb der Verkäufer mehr oder weniger lebhaft
macht, oder als es für sie mehr oder minder wichtig ist, ihre Waren auf
der Stelle los zu werden.“ Das Gegenteil tritt ein, wenn die Nachfrage
das Angebot übersteigt. „Reicht die feilgebotene Quantität gerade hin,
die wirksame Nachfrage zu decken, und nicht mehr, so wird der Markt-
l ) Vgl. oben S. 73, Anm. 1.