Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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Er  gelangte  zu  europäischer  Berühmtheit,  und  mit  ihm  eroberten
nach  und  nach  die  Gedanken  Smith’s,  die  er  in  logischem  Aufbau ­
  klargestellt  und  auf  einige  allgemeine  Grundprinzipien  zurückgeführt ­
  hatte,  aus  denen  sich  die  Folgerungen  von  selbst  ergaben,  die
ganze  aufgeklärte  öffentliche  Meinung.
Man  würde  aber  J.-B.  Say  Unrecht  tun,  wenn  man  in  ihm  nur  einen
Vulgarisator  der  SMiTn’schen  Ideen  sehen  wollte.  Zwar  hat  er  selbst
mit  mutiger  Bescheidenheit  niemals  das,  was  er  dem  Meister  verdankte,
verheimlicht.  Überall  nennt  er  seinen  Namen.  Aber  er  begnügt  sich
flicht  damit,  seine  Gedanken  zu  wiederholen.  Er  denkt  sie  von  Neuem
durch,  sichtet  sie,  und  entwickelt  sie  weiter,  indem  er  sie  schärfer  faßt.
Unter  den  verschiedenen  Wegen,  denen  Smith  in  seinen  Gedankengängen
•abwechselnd,  und  oft  ohne  feste  Entscheidung  folgt,  gelingt  es  dem  französischen ­
  Nationalökonomen,  diejenigen  zu  vermeiden,  die  blind  enden,
und  den  einen  einzuschlagen,  der  zum  Ziele  führt.  Diesen  Weg  zeichnet
•er  dann  mit  solcher  Genauigkeit  vor,  daß  seine  Nachfolger  sich  nicht
ftiehr  verirren  können.  Er  filtriert  sozusagen  die  Ideen  seines  Meisters;
«nd  zu  gleicher  Zeit  gibt  er  ihnen  jene  besondere  Färbung,  die  für  so
lange  Zeit  der  französischen  Nationalökonomie  ihr  eigenes  Gepräge  gab,
gegenüber  der  englischen  volkswirtschaftlichen  Wissenschaft,  der  damals
Malthus  und  Ricakdo  eine  neue  Richtung  wiesen.  Im  Werke  Say’s
interessiert  uns  weniger  das,  was  er  Smith  entlehnt  hat,  als  seine  eigene^
Beiträge.  Im  folgenden  versuchen  wir  sie  darzustellen.
1.  Vor  allem  vollendet  Say  die  Niederlage  der  physiokratischen
Ideen.
Das  war  nicht  unwesentlich.  Die  Anhänger  der  sogenannten  „Sekte“
Waren  in  Frankreich  noch  zahlreich  vorhanden.  Selbst  Gebmain
Gakniek,  der  Übersetzer  des  Buches  Smith’s,  hielt  die  Lehre  der
Physiokraten  theoretisch  für  unwiderlegbar.  In  seinen  Augen  bestand ­
  die  Überlegenheit  des  schottischen  Nationalökonomen  nur  in
^rer  Anwendung  auf  die  Praxis.  „Wohl  kann  man,“  sagt  er,  „die
Theorie  der  Ekonomisten  als  weniger  nützlich,  aber  sicherlich  nicht
als  falsch  verwerfen“ 1 ).  Smith  selbst  hat,  wie  wir  wissen,  sich  nicht
w>n  ihrem  Einfluß  frei  machen  können.  Er  gab  noch  eine  besondere
Produktivität  des  Bodens  auf  Grund  der  Mitarbeit  der  Natur  zu.  Er
aannte  die  Arbeit  des  Arztes,  des  Richters,  des  Rechtsanwaltes  oder  ;
ües  Künstlers  unproduktiv.  Say  löst  auch  diese  letzten  Verbindungen.
»Nicht  nur  in  der  Landwirtschaft,  sondern  überall  wird  die  Natur  ge-  j
zwungen,  zusammen  mit  dem  Menschen  zu  arbeiten“ 2 ),  und  er  will,  I
daß  man  unter  „Grundbesitz“  alle  Beihilfe  verstehe,  die  ein  Volk  aus

)  Franz.  Übers.  A.  Smith’s  von  Gakniek,  1802,  Bd.  V,  S.  283.
! )  Traitö,  Ausg.  v.  1803,  S.  39.
            
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