Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Diskussionen  verwickeln  sollte,  und  die  zuletzt  aufgegeben  werden  mußte.
Indem  Say  die  Abhängigkeit  nachwies,  in  der  Lohn  und  Profit  gleichzeitig ­
  von  der  Güternachfrage  stehen,  und  durch  seine  Zurückführung
der  Höhe  der  Pacht  auf  die  gleichen  Ursachen  (Angebot  und  Nachfrage),
die  die  Höhe  der  anderen  produktiven  Dienste  erklären,  hat  er  der  französischen ­
  Nationalökonomie  solche  Verirrungen  erspart.  Damit  hat  er
auch  Walras  die  ersten  Richtlinien  seiner  prächtigen  Auffassung  des
Preises  der  Dienste  und  des  wirtschaftlichen  Gleichgewichts  geliefert.
So  erklärt  sich,  daß  er  der  Rententheorie  nicht  die  gleiche  außerordentliche ­
  Bedeutung  zuschrieb,  die  ihr  die  englischen  Nationalökonomen
gaben,  worin  ihm  die  große  Mehrzahl  der  französischen  Ökonomisten
folgte.  Hingegen  ist  er  aus  dem  gleichen  Grunde  niemals  auf  die  Meinung
verfallen,  die  die  Grundrente  einfach  fortleugnet,  und  sie  als  ein  Einkommen ­
  betrachtet,  das  einzig  aus  den  im  Boden  angelegten  Kapitalien
entsteht.  Er  hat  sogar  diesen  Irrtum  im  voraus  widerlegt,  den  Carey
und  BastiA^Tspäter  aufrecht  zu  erhalten  suchten 1 ).
4.  Bisher  erscheint  uns  Say  besonders  durch  seine  Begabung  zu
logischer  Zusammenordnung  der  Gedanken  bemerkenswert.  Hat  er  aber
die  volkswirtschaftliche  Wissenschaft  um  keine  durchaus  neue  Wahrheit
bereichert  ?
Lange  hat  man  seine  Theorie  der  Absatzwege  als  eine
Entdeckung  ersten  Ranges  angesehen:  „Erzeugnisse  kaufen  sich  mit
Erzeugnissen.“  Dies  ist  zwar  eine  glückliche  Formel,  aber  keine
tiefsinnige  Wahrheit.  Sie  drückt  weiter  nichts  aus,  als  die  Smith  wie
den  Physiokraten  geläufige  Idee,  daß  das  Geld  nur  ein  Mittel  ist;  man
erwirbt  es  nur,  um  es  sogleich  wieder  los  zu  werden  und  gegen  ein  neues
Erzeugnis  einzutauschen.  „Nach  beendigtem  Tausch  findet  man,  daß
man  Erzeugnisse  mit  Erzeugnissen  bezahlt  hat 2 ).“  So  erschließen  die
Waren  sich  gegenseitig  ihre  Absatzwege,  und  es  liegt  im  Interesse
eines  Landes,  das  viel  produziert,  die  anderen  Länder  wenigstens  ebensoviel ­
  erzeugen  zu  sehen.  Say  sieht  schon  in  der  Ferne  die  Verbrüderung
der  Völker,  die  sich  aus  diesem  Prinzip  ergibt.  Er  sagt:  „die  Theorie
der  Absatzwege  .  .  .  wird  die  Weltpolitik  umändern“ 3 ).  Auf  sie  glaubte
l )  Die  Pacht  ist,  sagt  er,  ohne  Zweifel  teilweise  der  Zins  des  in  den  Boden  gesteckten ­
  Kapitals,  „denn  es  gibt  wenige  Güter,  die  aus  den  ausgeführten  Meliorationen
nicht  einigen  Wert  zögen,  aber  die  Gesamtheit  ihres  Pachtwertes  würde  nur  dann
allein  hierauf  zurückzuführen  sein,  wenn  der  ertragsfähigere  Boden  ohne  jede  Melioration ­
  sich  überhaupt  nicht  verpachten  ließe,  was  in  keinem  zivilisierten  Lande  vorkommt.“ ­
  Kritische  Untersuchung  der  Ausführungen  Mao  Culloch’s  (1826)  in  den
(Euvres  diverses,  S.  277.
*)  Traitö,  1.  Ausg.,  S.  154.
3 )  „Wie  die  Wärmetheorie,  die  des  Hebels  und  der  schiefen  Ebene  die  ganze
Natur  dem  Menschen  untertan  gemacht  haben,  so  wird  die  Theorie  des  Güteraustausches
und  der  Absatzwege  die  Weltpolitik  ändern“  (Traite,  6.  Ausg.,  S.  51).
            
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