Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

532 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
mußte die Hilfe der Stände zu häufig gegen Türkeneinfälle 
erbeten und durch Versprechen der Duldung erkauft werden. 
Doch kam es auch hier schließlich zu einer fast völligen Re— 
katholisierung. 
In den Erblanden der kaiserlichen Linie an der Donau 
endlich wußten die Stände während der Not des Bruder— 
zwists zwischen Rudolf II. und Matthias ihre politisch-autonomen 
und protestantischen Interessen aufs stärkste zu betonen. Indem 
sie dies aber taten, geschah es nicht ohne Zusammenhang mit 
verwandten Bestrebungen in dem benachbarten, der kaiserlichen 
Linie ebenfalls gehörigen Böhmen; und die Schicksale des 
Protestantismus wie der Stände in den österreichischen Erz— 
herzogtümern verquickten sich dadurch mit denen des Protestan⸗ 
tismus und der Stände in Böhmen. Dies um so mehr, als 
die Stände in Böhmen besonders mächtig waren: war doch 
ihr Königswahlrecht noch keineswegs in Vergessenheit geraten 
und mochte sich noch mancher der Zeiten der Jagellonen er— 
innern, aus denen das Wortspiel des Herrenstandes gegenüber 
dem König überliefert war: „Du bist unser König, und wir 
sind deine Herren.“ Zudem galt hier der Satz des Majestäts— 
briefes, daß „fortan Niemand, weder von den höheren Ständen, 
noch aus den Städten, Märkten oder vom Bauernvolk, sei es 
durch seine Obrigkeit oder andere geistliche und weltliche 
Standespersonen ‚von seiner Religion abgewendet und zu der 
Gegenteils Religion mit Gewalt oder einiger anderer erdachten 
Weis' gedrungen werden‘ dürfe“: also der Grundsatz voller 
Gewissensfreiheit. 
Da ist es nun bekannt, wie der protestantische und 
ständische Widerstand gegen das Haus Habsburg zum Prager 
Fenstersturz und zur Eröffnung des Dreißigjährigen Krieges 
führte!: womit denn das Schicksal des Luthertums an Donau, 
Moldau und Elbe wie das der mit ihm vereinten Selbständigkeits— 
bestrebungen der Länder einem noch größeren Zusammenhange 
von Ereignissen, dem Verlaufe eben des großen Krieges, ein— 
S. Band VIS. 714 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.