Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

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fordert,  dein  Land  soviel  Gold  und  Silber  wie  möglich  zu  verschaffen:
sie  werden  Bullionisten  genannt.  Andere,  die  Merkantilisten,  stellten
den  Satz  auf,  daß  man  so  viel  wie  möglich  an  fremde  Völker  verkaufen ­
  müsse,  um  recht  viel  zu  gewinnen.  Andere  wieder  behaupteten)
daß  es  zuerst  darauf  ankäme:  „Eine  Gesellschaftsform  zu  finden,  in
der  jeder  mit  allen  vereint  sei,  jedoch  nur  sich  selbst  gehorche  und
ebenso  frei  bleibe,  wie  vorher“,  und  dies  war  der  „Contrat  social“-Noch
  andere  machten  die  Verwirklichung  des  Volksglückes  von  der
Gründung  von  Wolkenkuckucksheimen  abhängig.
Zu  dieser  Zeit  nun  trat  ein  Mann,  ein  Arzt  auf,  der,  schon  auf
der  Schwelle  des  Greisenalters  stehend,  sich  dem  Studium  dessen,
was  wir  heute  Agrarökonomie  nennen,  zugewandt  hatte,  der  Erde
und  den  Gütern,  die  den  Lebensunterhalt  der  Menschen  bedeuten. 1 )
;  Er  erklärte:  wir  brauchen  weder  etwas  zu  suchen,  noch  etwas  zu  er-|
  finden,  denr?alle  menschlichen  Verhältnisse  werden  von  bewunderungswürdigen ­
  Gesetzen  regiert,  deren  Wahrheit  sich  jedem  aufzwingt
der  einmal  die  Augen  öffnet,  und  deren  Autorität  ein  mit  Vernunft
begabter  Mensch  ebensowenig,  wie  die  Gesetze  der  Geometrie  bestreiten ­
  kann.  Diese  Gesetze  zu  verstehen,  bedeutet,  ihnen  zu  ge'
horchen.  Und  Dupont  de  Nemoüks  sagte  sicherlich  nicht  zuviel,  als
er  schrieb,  daß  dies  „sehr  neue  Grundsätze“  seien  (une  doctrine  treS
nouvelle). 2  *  * )
Dies  ist  auch  noch  zu  wenig  gesagt.  In  Wahrheit  war  es  die
Schöpfung  einer  neuen  Wissenschaft,  die  der  Wissenschaft  von  der
i  Volkswirtschaft.  Die  Zeit  der  Vorläufer  war  vorüber;  mit  Quesna*  -
und  seinen  Schülern  beginnt  das  Zeitalter  der  Begründer.  Diese''  \
Ehrenname,  den  die  Undankbarkeit  der  französischen  „Ekonomisten“;
die  doch  auf  Quesnax’s  und  seiner  Schüler  Schulter  standen,  ihnen
vorenthalten  hatte,  um  ihn  Adam  Smith  beizulegen,  ist  ihnen  von
den  fremden  Nationalökonomen  wieder  zugesprochen  worden  und  wird
ihnen  ohne  Zweifel  endgültig  bleiben.  Kann  man  doch  sagen,  d&ß
in  der  Geschichte  der  Wissenschaften  es  wenige  gibt,  deren  Geburt^
datum  und  Herkunft  sicherer  bestimmt  wäre.  Die  PhysiokrateB
waren  die  ersten,  die  im  vollen  Sinn  des  Wortes  eine  umfassend 6  j
^Anschauung  der  sozialen  Wissenschaft  gehabt  haben,  mit  anderen  *
jWorten,  die  behaupteten,  daß  zwischen  den  sozialen  Tatsachen  not'
wendige  Zusammenhänge  beständen,  und  daß  Einzelpersonen,  vi®
1 )  Die  ersten  nationalökonomischen  Anfsätze  Quesnav’s,  in  derselben  Groß eS
Enzyklopädie,  deren  Mitarbeiter  Rousseau  war,  behandelten  die  Körnerfrucht  ,
(les  grains)  und  die  Pächter  (les  fermiers).
2 )  Professor  Hector  Denis  sagt  über  die  physiokratische  Grundformel:  „Leid 1 *
war  es,  ihre  Unvollkommenheit  zu  sehen,  aber  fast  niemals  wird  man  ihrer  unV et ‘  f
gleichlichen  Großzügigkeit  gerecht.“
            
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