Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Assozialisten. 
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Interessen sich fast stets schroff gegenüber, weil sie nach Klassen ge 
schieden sind: in einer einzigen Person vereinigt, wird der Gegensatz sich 
durch „Verschmelzung“ auflösen, wie die Juristen sagen, oder er würde 
wenigstens in das Innenleben eines jeden verpflanzt werden, wo sich wohl 
oder übel eine vollständige Aussöhnung vollziehen muß. 
Dieses Programm, das nicht auf die Abschaffung des Eigentums, 
sondern im Gegenteil auf die des Lohnes durch den Erwerb eines gemein 
samen und allgemeinen Eigentums abzielt, das als Hilfsmittel nicht den 
Klassenkampf, sondern die Assoziation der Intelligenz, der Arbeit und 
des Kapitals annimmt, das die entgegengesetzten Interessen des Kapita 
listen und des Arbeiters, des Produzenten und des Verbrauchers, des 
Gläubigers und des Schuldners zu vereinigen sucht, indem es alle diese 
Interessen in die gleiche Person verlegt, — dieses Programm ist sicherlich 
keine mittelmäßige Leistung. Während des ganzen 19. Jahrhunderts ist 
es das Ideal der Arbeiterklasse, wenigstens in Frankreich, bis zu dem Tage, 
an dem der marxistische Kollektivismus es zurückdrängte, — wahr 
scheinlich aber keineswegs auf immer. Das Programm, das heute die 
radikal-sozialistische Partei in Frankreich in allen ihren Wahlaufrufen 
darlegt, und durch das sie sich zu der sozialistischen Partei in Gegensatz 
zu stellen sucht, kann in folgender Formel zusammengefaßt werden: 
Aufrechterhaltung und Ausbreitung des Privateigentums, aber Abschaffung 
des Lohnsystems. Hierin stammt es unbewußt von Fourier ab 1 ). 
kei 
Neswegs den Zweck haben, die Erzeugnisse ihrer Produktion zu verzehren; sie er- 
2eu gen sie nur für den Verkauf, um daran zu verdienen. Auf der anderen Seite Konsum 
genossenschaften, die bezwecken, ihren Mitgliedern gewisse soziale Vorteile zu ver 
schaffen, besonders den, eine bessere Lebenshaltung führen zu können, die aber m , r 
Re gel sich nicht damit beschäftigt haben, das zu produzieren, was sie verbrauchen. 
Dort freilich, wo die Konsumgenossenschaften machtvoll organisiert sind, haupt- 
sachlich in England, fangen viele an, einen Teil dessen, was sie verbrauchen selbst 
ln produzieren — einige unter ihnen haben sogar kleine Landgüter zu diesem Zwec , 
Nichtsdestoweniger sind sie noch weit entfernt davon, die Vollgenossenschaft des 
“halanst&re zu verwirklichen; denn die Arbeiter, die sie beschäftigen, sind meistenteils 
Nicht Mitglieder der Gesellschaft oder sind doch in solcher Minderzahl, daß sie sich in 
nichts von den Angestellten irgendeines Unternehmens unterscheiden. 
Es ist auch leicht zu verstehen, wie schwierig sich die Gruppierung einer Anzahl 
Menschen gestalten muß, die die zum Bestehen der Assoziation unbedingt notige Bc- 
d ‘Ngung erfüllt, alles das, dessen sie bedarf, vorteilhafter herzustellen, als der Markt 
}‘®fern kann; mit einem Wort, inmitten des großen wirtschaftlichen Milieus einen 
C1 üen, fest abgeschlossenen selbständigen Kreis zu schaffen, 
r, . , s °gar unter den, in entfernten Gegenden gegründeten Kolonien findet man kein 
vxspiel einer selbständigen, lebensfähigen Vollgenossenschaft. 
f . ‘) Die Arbeitergewinnbeteiligung (l’actionnariat ouvrier), die Briand vorschlagt, 
f ‘Ndet sich heute in dem Programm der radikal-demokratischen Partei. Siehe die 
ctioNs du travail von Antonelli.
	        
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