Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

279

getragen  an  den  Augen  des  Lesers  vorüber  und  werden  beständig  auf  die
eine  alleinige  Ursache  zurückgeführt:  die  Konkurrenz.  So  scheint  sich
denn  der  Schluß  von  selbst  aufzudrängen:  um  dem  Übel  der  Konkurrenz
zu  begegnen,  muß  die  wirtschaftliche  Ordnung  auf  ihren  Gegenpol,  die
Assoziation,  gegründet  werden.
Louis  Bi,anc  gehört  daher  zu  jener  Gruppe  von  Sozialisten,  die  in
der  Assoziation  allein  das  Heil  der  modernen  Gesellschaften  sehen.
Er  faßt  aber  die  Assoziation  nicht  genau  in  derselben  Weise  wie  seine
Vorgänger  auf.  Er  träumt  von  keinem  Phalanstere  und  von  keinem  „Neu-Harmonie“.
  Ihm  erscheint  die  wirtschaftliche  Welt  der  Zukunft  nicht
wie  eine  Reihe  von  Gruppen,  die  jede  ihre  eigene  kleine  vollständige
Gesellschaft  bilden.  Er  läßt  die  Yollgenossenschaft  Foürier’s  und  die
„Phalange“,  in  der  alle  Mitglieder  alles,  was  für  sie  notwendig  ist,  hersteilen,
außer  Acht.  Er  schlägt  eine  „soziale  Werkstatt“  vor,  die  nichts  Anderes
ist  als  eine  Arbeiterproduktivgenossenschaft.  •  Die  soziale  Werkstatt  verewigt ­
  nur  die  Arbeiter  eines  und  desselben  Berufszweiges.  Sie  unterscheidet
sich  von  der  gewöhnlichen  Werkstatt  nur  dadurch,  daß  sie  demokratischer
ist  und  mehr  im  Sinne  der  Gleichheit  Aller  geführt  wird.  Sie  umfaßt  aber
nicht,  wie  der  Mikrokosmus  Fourier’s,  alle  Seiten  des  wirtschaftlichen
Lebens.  Ihr  Zweck  liegt  nicht  in  ihr  selbst,  denn  sie  schafft  nur  ein  einziges
Erzeugnis,  das  die  Anderen  kaufen  sollen.  Mit  anderen  Worten:  Louis
L r 'ANc  hat  den  bekanntesten  Typus  der  Arbeiterproduktivgenossenschaft
geschaffen 1 );  —  während  Owen  und  Fourier  die  Kooperation  zur  gleichen
Eeit  für  den  Verbrauch  und  die  Produktion  wollten.
Der  Gedanke  war  nicht  durchaus  neu.  Schon  ein  alter  Saint-Simonist,
Lochez,  hatte  1831,  aber  ohne  besonderen  Erfolg,  ein  ähnliches  Projekt
v Mgeschlagen 2 ).  Die  Arbeiter  eines  gleichen  Berufes,  z.  B.  die  Tischler,
dle  Schuhmacher,  die  Maurer,  sollten  sich  zusammentun,  sollten  ihre
Arbeitsinstrumente  Zusammenlegen  und  den  Gewinn,  den  ohne  diesen
Zusammenschluß  der  Unternehmer  eingesteckt  haben  würde,  für  sich
„  ,  l )  Wir  schreiben:  der  bekannteste  Typus,  denn  wir  haben  in  dein  vorhergehenden ­
  Paragraphen  ausgeführt,  daß  gewisse  Produktivgenossenschaften  —  wie
jt e  Tr avail  —,  sich  auf  Fourier  berufen,  im  besonderen  dadurch,  daß  sie  fremdes
Kapital  annehmen.  Der  gewöhnlichste  Typus  in  Frankreich  ist  aber  der,  der  mit  der
jzhambre  consultative  des  associations  de  production  (beratende  Kammer
°r  Produktionsgenossenschaften)  in  Verbindung  steht.  Die  als  Vorbild  dienenden
btatutej}  dieser  Genossenschaft  enthalten  einen  §  11,  der  besagt:  „Niemandem  kann
f  Bei tritt  gestattet  werden,  der  nicht  Arbeiter  eines  der  Berufszweige  ist.  (Siehe
«en  von  dem  Office  du  Travail  (Arbeitsamt)  1898  herausgegebenen  Band,  Les  Assoat
 ions  de  Production.)
N  2 )  Im  Journal  des  Sciences  morales  et  politiques  vom  17.  Dez.  1831.
n  1  r 1 ®  e ! nzi § e  Genossenschaft  wurde  auf  seine  Veranlassung  hin  im  Jahre  1834  ge-°
  Un  et,  die  der  Talmijuweliere  (bijoutiers  en  dore).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.