Kapitel III. Die Assozialisten.
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getragen an den Augen des Lesers vorüber und werden beständig auf die
eine alleinige Ursache zurückgeführt: die Konkurrenz. So scheint sich
denn der Schluß von selbst aufzudrängen: um dem Übel der Konkurrenz
zu begegnen, muß die wirtschaftliche Ordnung auf ihren Gegenpol, die
Assoziation, gegründet werden.
Louis Bi,anc gehört daher zu jener Gruppe von Sozialisten, die in
der Assoziation allein das Heil der modernen Gesellschaften sehen.
Er faßt aber die Assoziation nicht genau in derselben Weise wie seine
Vorgänger auf. Er träumt von keinem Phalanstere und von keinem „Neu-
Harmonie“. Ihm erscheint die wirtschaftliche Welt der Zukunft nicht
wie eine Reihe von Gruppen, die jede ihre eigene kleine vollständige
Gesellschaft bilden. Er läßt die Yollgenossenschaft Foürier’s und die
„Phalange“, in der alle Mitglieder alles, was für sie notwendig ist, hersteilen,
außer Acht. Er schlägt eine „soziale Werkstatt“ vor, die nichts Anderes
ist als eine Arbeiterproduktivgenossenschaft. • Die soziale Werkstatt ver
ewigt nur die Arbeiter eines und desselben Berufszweiges. Sie unterscheidet
sich von der gewöhnlichen Werkstatt nur dadurch, daß sie demokratischer
ist und mehr im Sinne der Gleichheit Aller geführt wird. Sie umfaßt aber
nicht, wie der Mikrokosmus Fourier’s, alle Seiten des wirtschaftlichen
Lebens. Ihr Zweck liegt nicht in ihr selbst, denn sie schafft nur ein einziges
Erzeugnis, das die Anderen kaufen sollen. Mit anderen Worten: Louis
L r 'ANc hat den bekanntesten Typus der Arbeiterproduktivgenossenschaft
geschaffen 1 ); — während Owen und Fourier die Kooperation zur gleichen
Eeit für den Verbrauch und die Produktion wollten.
Der Gedanke war nicht durchaus neu. Schon ein alter Saint-Simonist,
Lochez, hatte 1831, aber ohne besonderen Erfolg, ein ähnliches Projekt
v Mgeschlagen 2 ). Die Arbeiter eines gleichen Berufes, z. B. die Tischler,
dle Schuhmacher, die Maurer, sollten sich zusammentun, sollten ihre
Arbeitsinstrumente Zusammenlegen und den Gewinn, den ohne diesen
Zusammenschluß der Unternehmer eingesteckt haben würde, für sich
„ , l ) Wir schreiben: der bekannteste Typus, denn wir haben in dein vorher
gehenden Paragraphen ausgeführt, daß gewisse Produktivgenossenschaften — wie
jt e Tr avail —, sich auf Fourier berufen, im besonderen dadurch, daß sie fremdes
Kapital annehmen. Der gewöhnlichste Typus in Frankreich ist aber der, der mit der
jzhambre consultative des associations de production (beratende Kammer
°r Produktionsgenossenschaften) in Verbindung steht. Die als Vorbild dienenden
btatutej} dieser Genossenschaft enthalten einen § 11, der besagt: „Niemandem kann
f Bei tritt gestattet werden, der nicht Arbeiter eines der Berufszweige ist. (Siehe
«en von dem Office du Travail (Arbeitsamt) 1898 herausgegebenen Band, Les Asso-
at ions de Production.)
N 2 ) Im Journal des Sciences morales et politiques vom 17. Dez. 1831.
n 1 r 1 ® e ! nzi § e Genossenschaft wurde auf seine Veranlassung hin im Jahre 1834 ge-
° Un et, die der Talmijuweliere (bijoutiers en dore).