Kapitel I. Die Optimisten.
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ihren Augen ein unauslöschliches Erbmal, das mehr dazu tat, das physio-
kratische System völlig zu diskreditieren als alle seine Irrtümer.
Das Buch von Charles Dunoyer, das 1845 *) unter dem etwas langen
aber klaren Titel erschien: Von der Arbeitsfreiheit oder einfache
Darlegung der Bedingungen, unter denen die menschlichen
Kräfte sich mit dem größten Erfolge betätigen, kennzeichnet
mit großer Genauigkeit diese Ära des politisch-ökonomischen Liberalismus.
Aber, mag das Buch Dunoyer’s auch der Verherrlichung der 1 reiheit
in allen ihren Formen und besonders der der Konkurrenz gewidmet sein,
so erscheint doch die optimistische Tendenz in ihm weniger auffällig als
in einem anderen Buche, das fast zur gleichen Zeit erschien und viel be
rühmter geworden ist, in den ökonomischen Harmonien (les Harmonies
Eeonomiques) Bastiat’s (1850). In diesem Buche und in den anderen
Schriften desselben Verfassers werden wir die Hauptzüge dieser Lehre
suchen müssen. Gewiß, Bastiat ist wegen der Übertreibungen seines
Optimismus und seines Glaubens an die Endzwecke von einer großen
Anzahl Volkswirtschaftler der liberalen Schule verleugnet worden. Den
noch bleibt er der bedeutendste Vertreter der optimistischen liberalen
Kehre, und man könnte vielleicht sagen, der ganzen französischen Schule.
Der Name eines anderen Volkswirtschaftlers, diesmal keines Fran-
*°sen, sondern eines Amerikaners, ist ebenfalls von der optimistischen
Le hre untrennbar. Er wurde schon in einem der vorhergehenden Kapitel
erwähnt: es ist C. H. Carey 2 ). In vieler Hinsicht müßte er noch vor
astiat rangieren, und zwar nicht nur auf Grund der Priorität, denn
l. . *) Es hat frühere Ausgaben gegeben, aber unter verschiedenen Titeln und von
Kleinerem Umfange (in den Jahre 1825 und 1830). Wir werden Dunoyer etwas weiter
«nten wieder finden. Vgl. Villey, L’oeuvre öconomique de Dunoyer, Paris 1899.
[r s ) Carey (Charles Henry) wurde 1793 in Philadelphia geboren und starb 1879.
's zum Alter von 42 Jahren war er Verlagsbuchhändler. Er veröffentlichte in den
ähren 1837, 1838 und 1840 die drei Bände seines Buches: Principles of Political
c °nomy; 1848, The Past, the Present and the Future, das seine Renten-
a„? ne enthält; 1860, Harmony of Interest, agricultural, manufacturing
ist Commer cial; und 1858—1859 Principles of Social Science. (Dieses Buc
v °a Adler ins Deutsche übersetzt worden. Anm. d. Übers.)
Schi» 01686 Daten haben eine gewisse Bedeutung, weil, als 1850 die Harmonies er-
I^nen, Carey in einem an das Journal des Dconomistes des gleichen Jahres
^chteten Briefe Bastiat des Plagiats beschuldigte. Bastiat der damals schon auf
gah Tod J krank ^g, antwortete in der gleichen Zeitung, um sich zu vcrteid gen. Er
zu hnü’ das erste Buch Carey’s zu kennen und entschuldigte sich, es nicht angeführt
/ haben Die Entschuldigung, die er als Grund anführte, ist übrigens recht schwach:
zumT 1,ch so schlecht von den Franzosen gesprochen habe, hatte er es nicht
Wirt Ja®? 1 em P f ehlen können! Seitdem haben eine ganze Anzahl ausländischer Volks-
es ist h ler als ^tstchend hingestellt, daß Bastiat Carey nur abgeschrieben habe:
im LT e,n « grobe Übertreibung. In der Geschichte der Doktrinen ist die Koinc.denz
der TL reten gewisser Ideen eine häufige Tatsache: noch vor kurzem hat sich dies bei
e °rie des Grenznutzens gezeigt (siehe weiter unten).
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