Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

jenigen  Theorien  des  Meisters  verteidigen  zu  können*  die  unhaltbar  erscheinen, ­
  wie  z.  B.  die  des  Arbeitswertes.  Sie  sagen,  daß  Marx  eine  Gesellschaft ­
  angenommen  habe  (hier  haben  wir  das:  „Angenommen,  daß  •  •  •
Ricardo’s!),  in  der  die  Arbeit  überall  gleichartig  sei,  usw. 1 ).
Der  Marxismus  ist  daher  ein  auf  den  klassischen  Baum  gepfropfte 1
Zweig,  und  so  sehr  sich  auch  der  Baum  über  die  eigentümlichen  Früchte,
die  man  ihn  zu  tragen  zwingt,  erstaunt  und  entrüstet,  so  ist  er  es  doch
gewesen,  der  sie  mit  seinem  Saft  genährt  hat.  Daher  hat  man  schreiben
können,  daß  Das  Kapital  „nicht  das  erste  Buch  des  kritischen  Kon 1 '
munismus,  sondern  das  letzte  große  Buch  der  bürgerlichen  Volkswirtschaft ­
  sei“ 2 ).
Nicht  nur  setzt  der  Marxismus  die  Wissenschaft  der  Ökonomik  fort,
die  er  hochachtet,  —  wenn  er  die  Volkswirtschaftler  heftig  angreift,  sö
tut  er  dies  nur,  um  ihnen  zu  beweisen,  daß  sie  sie  schlecht  verstanden
haben  —,  sondern,  was  überraschender  ist,  er  zollt  dem  Kapitalismus
seine  Achtung 3 ).  Die  Marxisten  bewundern  das  große  Werk,  das  er  durch'
geführt  hat.  Sie  sind  ihm  für  die  wirklich  revolutionäre  Rolle  (so  drücke®

x )  Vgl.  z.  B.  was  Georges  SoKEtin  der  Revue  Internationale  de  Sociolog*  |
1900  (Les  polemiques  pour  Finterpretation  du  marxisme,  S.  248)  schre 1 .i,
„Bei  Marx  gibt  es  keine  eigentliche  Werttheorie  in  dem  Sinne,  den  man  gewöhn®
mit  diesem  Ausdruck  verbindet,  sondern  eine  Theorie  des  wirtschaftlichen  ^jj,
gewichts,  die  auf  den  Fall  einer  bis  ins  äußerste  vereinfachten  Gese
schaft  zurückgeführt  ist.  Man  unterstellt,  daß  alle  Industrien  gleichwer
sind,  und  daß  die  Arbeiter  einen  gleichförmigen  Typus  bilden;  die  Leistung  ein ,
Arbeitsstunde  einer  Gruppe  von  10  Arbeitern  wird  überall  dasselbe  erzeugen;  sie  J
ganz  gleich  in  welchem  Zweige  der  Beschäftigung,  die  gleiche  intensive  Größe
gewissen  Menge  leisten,  die  das  vorstellt,  was  das  Vergleichungsmoment  der  ™ a
ausmacht:  den  Wert...  So  erhält  man  ein  Bild,  das  keinen  anderen  Nutzen  zu  n®
scheint,  als  die  Möglichkeit,  nachzuweisen,  durch  wohldurchdachte  künstl 10
Konstruktionen  die  Theorie  des  Zeitwertes  mit  dom  Marktpreis  in  Übe rc
Stimmung  zu  bringen. 1 *  ^
2 )  Labriola,  Conception  matfirialiste,  S.  91.  Und  G.  Sorel  sagt:  ^
Wirklichkeit  steht  der  Marxismus  der  sogenannten  manchesterlichen  Volkswirt 86
viel  näher,  als  dem  Utopismus.  Dieser  Punkt  hat  seine  große  Bedeutung“  (k a
composition  du  marxisme,  S.  44).
3 )  „Die  Rolle  der  Bourgeoisie  in  der  Geschichte  ist  ganz  außerordentlich
volutionär  gewesen  .  ..  Gerade  der  Bestand  der  Bourgeoisie  bedingt  eine  bestan
Umformung  der  Produktionsmittel,  und  daher  der  Produktionsbedingungen,  un  ^ s
folgedessen  auch  der  gesamten  sozialen  Bedingungen  .  .  .  Zerbrochen  sind  ^  ^
dahin  unveränderlichen  sozialen  Bande,  die  Bande,  die  bis  dahin  mit  dem  S a fleJ1 ,
Anhang  ihrer  alten  und  ehrwürdigen  Gedanken  und  Vorstellungen  wie  zusam  jjt
gerostet  waren.  Alles  das,  was  den  Kastengeist  und  das  feste  Gefüge  vorstellt,  8  s
in  Rauch  auf,  Alles,  was  als  heilig  gegolten  hatte,  wird  profaniert“  (Kommunist 18
Manifest,  S.  11).  c jfrig
Übrigens  arbeitet,  nach  der  Meinung  der  Marxisten,  der  Kapitalismus  ®  e „
an  seiner  Selbstzerstürung,  was  doch  wirklich  das  non  plus  ultra  eines  revolutm
Charakters  istl
            
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