Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Die  auf  dem  Christentum  beruhenden  Lehren.

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ziemlichen  Skandal  und  führte  dazu,  daß  der  Graf  de  Mün  dagegen  auftrat. ­
  Später  wurde  dieses  Programm  das  der  sogenannten  „Partei  der
jungen  Abbes“.  Auch  darf  die  Bewegung  des  Sillon  (von  1890—1910)
nicht  vergessen  werden,  die  in  politischer  Hinsicht  sich  bemühte,  die  Kirche
mit  der  Demokratie  und  sogar  mit  der  Republik  zu  versöhnen  und  in
volkswirtschaftlicher  Hinsicht  bis  zur  Abschaffung  des  Lohnsystems
und  des  Unternehmertums  ging,  —  gerade  wie  die  Syndikalisten,  denn
der  §  2  der  Statuten  der  Confederation  Generale  du  Travail  stellt  ebenfalls ­
  als  Endzweck  auf:  „das  Verschwinden  des  Lohnsystems  und  des
Unternehmertums“.  Anstatt  die  Lösung  in  einer  parallelen  Tätigkeit
der  Syndikate  der  Arbeitgeber  und  der  der  Arbeitnehmer  zu  suchen,
strebt  die  Bewegung  des  Sillon  danach,  die  Ersten  abzuschaffen,  um  nur
die  Zweiten  bestehen  zu  lassen,  die  dann  Herren  ihrer  Produktionsmittel
geworden  sind  und  so  den  vollen  Ertrag  ihrer  Arbeit  für  sich  selbst  behalten
können 1 ).  Sie  unterscheidet  sich  jedoch  von  dem  Syndikalismus  hauptsächlich ­
  vom  moralischen  Gesichtspunkt  aus  durch  die  Betonung  eines
höheren  Ideals,  als  es  die  Eroberung  der  materiellen  Wohlfahrt  ist,  und
stellt  dieses  Ideal  als  noch  unentbehrlicher  für  die  Emanzipation  der
Arbeiterklasse  hin.  Wie  man  weiß,  hat  sich  der  Sillon  auf  Grund  eines
päpstlichen  Befehls  auflösen  müssen,  doch  besteht  diese  ausgesprochen
syndikalistische  Arbeiterbewegung  trotzdem  fort.
Wenn  die  katholische  Schule  Mühe  gehabt  hat,  sich  einen  linken
Flügel  zu  schaffen,  so  hat  sie  doch  stets  einen  rechten  besessen,  der  sich
natürlich  durch  das  Überwiegen  des  Unternehmerelements  charakterisiert. ­
  „Das  Problem  ist  nicht,  den  Arbeiter  durch  sich  selbst  zu  retten,
sondern  seine  Rettung  durch  den  Arbeitgeber  zu  bewirken 2 ).“  Es  ist
Ursache  der  sozialen  Leiden  ist,  ist  nichts  Anderes,  als  ein  Wort,  dazu  erfunden,  um
die  wirkliche  Tatsache  zu  Verschleiern:  die  Aneignung  der  Früchte  der  Arbeit
Ruderer  durch  die  Besitzer  der  Arbeitsmittel“  (Loesewitz,  Association
Latholique,  1886,  Aufsatz:  Lögislatiowdu  travail).
*)  Auszug  eines  Berichtes  über  eine  Versammlung  des  „Sillon“  vom  November ­
  1907:
•  +  ,.”Uarc  Sangnier:  „Die  soziale  Umformung,  Kameraden,  von  der  wir  träumen,
pt  für  die  Entwicklung  des  Individuums  und  nicht  für  seine  Aufsaugung  gemacht.
Wir  wollen,  daß  die  Fabriken,  die  Bergwerke  und  die  Industrien  Arbeitergruppen,
a ber  nicht  dem  Staate  gehören.“
Zwischenruf:  „Das  ist  Sozialismus!“
.  Marc  Sangnier:  „Nennt  es  Sozialismus,  soviel  ihr  wollt,  das  stört  mich  nicht;
es  ist  aber  nicht  der  Sozialismus  der  Sozialisten,  der  Sozialismus  der  „Unifiös“  .  .  .  Wir
Wollen  die  Proletarier  von  der  Herrschaft  der  Arbeitgeber  befreien,  nicht  um  sie  unter
J: er  Herrschaft  eines  großen  und  alleinigen  Patrons,  des  Staates,  zu  stellen,  sondern
a amit  die  Proletarier  kollektiv  ihre  eigenen  Arbeitgeber  werden  können. 5 *
2 )  Milcent  in  der  Association  Catholique,  1897,  Bd.  II,  S.  58.
Es  gibt  auch  einen  individualistischen  und  liberalen  Sozial-Katholizismus,  den
er  verstorbene  Professor  Charles  Perin  in  Löwen  vertrat:  La  Richesse  et  le
            
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