Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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duktivität  bestimmt,  nämlich  von  dem  Wert,  den  ein  Zusatzarbeiter
(der  Grenzarbeiter)  zu  erzeugen  vermag,  den  der  Unternehmer  noch
mit  einem  Differential  von  Gewinn  verwenden  kann.  Der  Wert,  den
dieser  fast  überzählige  Arbeiter  hervorbringt,  bestimmt  das  Maximum
dessen,  was  der  Unternehmer  ihm  geben  kann,  und  setzt  zur  gleichen  Zeit
den  Lohn  aller  anderen,  mit  ihm  vertauschbaren  Arbeiter  fest 1 ),  nämlich
der,  die  mit  der  gleichen  Arbeitsart  beschäftigt  sind  und  dasselbe  leisten
(obgleich  der  von  den  anderen  Arbeitern  geschaffene  Wert  wahrscheinlich ­
  größer  ist  als  der,  den  der  Grenzarbeiter  liefert).-  Gerade  so  wie  unter
hundert  verfügbaren  Gläsern  Wasser  das  am  wenigsten  nützliche  den
Wert  bestimmt,  den  alle  anderen  für  den  Durstigen  haben.
Hierdurch  wird  die  Theorie  des  Lohnes,  die  ihn  auf  die  Produktivität
der  Arbeit  gründet,  gleichzeitig  bestätigt  und  verbessert:  wohl  handelt
es  sich  um  die  Produktivität,  aber  um  die  Produktivität  „der  am  wenigsten ­
  produktiven  Arbeit“  —  der  Arbeit,  die  kaum  mehr  ergibt,  als  die
Unterhaltungskosten  des  Arbeiters  betragen.  Hierdurch  wird  die  Theorie
der  Produktivität  ihres  ganzen  optimistischen  Charakters  entkleidet  und
fast  auf  das  Niveau  des  ehernen  Lohngesetzes  gebracht.
Das  Gleiche  gilt  für  die  Höhe  der  Zinsen:  das  Kapital,  das  unter  den
ungünstigsten  Produktivbedingungen  angelegt  ist,  das  Grenzkapital,
regelt  den  Zinsfuß,  und  zwar  stets  auf  Grund  des  Gesetzes  der  Substitution,
das  sich  noch  besser  auf  Kapitalien,  als  auf  Arbeiter  anwenden  läßt,  da
unter  der  Form  des  gemünzten  Geldes  alle  Kapitalien  vollständig  identisch ­
  und  nicht  voneinander  zu  unterscheiden  sind 2 ).
Was  die  Bodenrente  anlangt,  so  wird  sie  ausführlicher  in  dem  folgenden ­
  Kapitel  behandelt  werden.  —
So  gelangt  die  psychologische  Schule  von  einigen  wirtschaftlichen
Tatsachen  aus  —  die  auf  den  ersten  Blick  so  bedeutungslos  und  für  die
Wissenschaft  von  so  wenig  Interesse  erscheinen,  wie  z.  B.  der  Ersatz  des
Kaffees  durch  Zichorie,  den  eine  Köchin  vornimmt,  oder  das  Wegwerfen
uines  alten  Handschuhes,  —  und  durch  allmähliche  logische  Ableitung
Zu  ganz  allgemeingültigen  Theorien,  die  eine  unendliche  Zahl  von  Tatsachen ­
  umfassen  —  wie  das  Gesetz  der  Substitution  oder  das  der  Komplenientärgüter.
  Diese  Arbeit  der  Deduktion  gewährt  einen  höchst  eindrucksvollen ­
  Anblick,  ähnlich  den  Erscheinungen  des  Geistes  in  Tausend
Und  einer  Nacht,  der,  aus  dem  engen  Gefäß,  in  dem  er  seit  tausend  Jahren
*)  Es  ergibt  sich  von  selbst,  daß  das  Gesetz  keine  Geltung  mehr  hat,  wenn  die
Arbeiter  nicht  untereinander  ausgetauscht  werden  können,  weil  sie  verschiedene  Fähigsten ­
  haben,  denn  das  Gesetz  setzt  die  freie  Konkurrenz  voraus;  in  diesem  Falle  aber
^  ürde  jeder  Arbeiter  eine  Art  persönlichen  Monopols  haben.
2 )  Anders  ist  es  jedoch,  wenn  die  Kapitalien  in  der  Form  fester  Anlagen  untergebracht
  sind;  dann  gilt  das  Gesetz  der  Substitution  nicht  mehr,  und  die  Einkünfte
j nnen  höchst  verschieden  sein.
Ui  de  und  Rist,  Gesellt,  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.  2.  Aufl.  37
            
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