Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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Aber  gerade  diese  Art  und  Weise,  die  Alten  in  die  Schule  nehmen
zu  wollen,  und  Prinzipien  von  Neuem  zu  entdecken,  die  als  bequeme
Ruhekissen  gegolten  hatten,  mißfiel  ganz  gewaltig.
Eine  ganze  Anzahl  dieser  Kritiken  kann  jedoch  von  Vornherein
abgewiesen  werden.
Die  häufigste  und  platteste  dieser  Kritiken  behauptet,  daß  die  Begierden ­
  und  Bedürfnisse  der  Menschen  der  quantitativen  Messung  unzugänglich ­
  sind,  und  daß  das  Vorgeben,  sie  in  mathematische  Gleichungen
fassen  zu  können,  mit  dem  freien  Willen  unvereinbar  sei.  Die  mathematische
Schule  hat  aber  niemals  etwas  Derartiges  behauptet.  Sie  nimmt  im  Gegenteil ­
  an,  daß  jeder  Mensch  in  aller  Freiheit  sein  Interesse  verfolgt,  trahit
sua  quemque  voluptas,  und  sie  begnügt  sich  damit,  zu  untersuchen,
wie  dieser  Mensch  es  anstellt,  um  sich  das  Maximum  der  Befriedigung
mit  den  Mitteln,  die  er  besitzt,  und  trotz  der  Hindernisse,  die  er  überwinden ­
  muß,  zu  beschaffen.  Sie  sagt  keineswegs,  daß  dieser  oder  jener
Mensch  dazu  gezwungen  ist,  Getreide  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen,  sondern
daß,  wenn  er  es  tut,  ein  jeder  es  mit  dem  festen  Willen  tut,  das  bestmögliche ­
  Geschäft  dabei  zu  machen,  und  daß  in  diesem  Falle  die  Dinge
sich  in  der  und  der  Form  abwickeln  werden,  und  sie  behauptet,  daß  die
Kombinationen  dieser  Willensäußerungen  der  Berechnung  zugänglich
sind.  Kann  nicht  die  Bewegung  der  Billardkugeln  berechnet  werden,
und  in  wiefern  beeinträchtigt  das  die  Freiheit  der  Spieler 1 )?
Ebenso  geben  die  mathematischen  Volks  Wirtschaftler  durchaus
nicht  vor,  unsere  Begierden  ziffernmäßig  auszudrücken.  Auch  wenn
sie  es  tun  sollten,  würde  dies  durchaus  nicht  widersinnig  sein,  da  wir
es  ja  selbst  Tag  für  Tag  tun,  wenn  wir  in  Mark  und  Pfennigen  den  Preis
bestimmen,  den  wir  auf  die  Erwerbung  oder  die  Hergabe  des  begehrten
Gegenstandes  setzen.  Aber  die  mathematische  Ökonomik  verwendet
überhaupt  keine  Zahlen,  da  sie  nur  mit  algebraischen  Formeln  oder  geometrischen ­
  Figuren,  also  mit  abstrakten  Größen,  arbeitet.  Eine  Gleichung
aufstellen,  bedeutet  einfach,  nachweisen,  daß  das  Problem  gelöst  werden
kann,  und  wie  es  zu  lösen  ist:  weiter  gehen  diese  Volks  Wirtschaftler  nicht.
Niemals  ist  es  ihnen  in  den  Sinn  gekommen,  den  Preis  des  Getreides  oder
den  irgendeines  anderen  Gegenstandes  ausrechnen  zu  wollen.  Diese  Aufgabe ­
  überlassen  sie  den  Spekulanten 2 ).
Wirtschaft,  La  mSthode  positive  en  Science  ßconomique  (Revue  de  MStaphysique
de  Morale,  November  1908)  und,  vom  entgegengesetzten  Standpunkte,  eine  gute
Verteidigung  in  La  mßthode  mathematique  en  ßconomie  politique  von  Bouvier
x )  Walras  sagt  sehr  richtig:  „Niemals  haben  wir  versucht,  die  Entscheidungen
'rer  menschlichen  Freiheit  zu  berechnen:  wir  haben  nur  versucht,  ihre  Wirkungen
mathematisch  darzulegen“  (iMüments  d-’Pconomie  Politique  pure,  S.  23g).
2 )  „Wir  kennen  die  genaue  Beziehung  nicht,  die  die  Funktion  an  das  Wandelbare,
die  Stärke  des  übrigbleibenden  Bedürfnisses  an  die  vorher  verbrauchte  Menge  kettet,
            
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