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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
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ist, so kann doch das schlechteste Feld noch eine Rente abwerfen. Stuart
Mill glaubt, daß dieser Fall für die Felder ziemlich selten, aber für die
Bergwerke ziemlich häufig eintritt 1 ). Woher kommt nun hier die Rente ?
Sicherlich nicht von dem Unterschied in der Fruchtbarkeit der Felder,
da diese Rente auch auf dem schlechtesten zum Vorschein kommt. Die
Ursache der Rente liegt also wo anders. Stuart Mill hat dies sehr gut
gesehen: „Das Produkt hat in Wirklichkeit einen Seltenheitswert“ 2 ).
Wenn aber dies die Erklärung der Rente ist, insofern sie auf dem
letzten in Anbau genommenen Felde erscheint —, warum soll die Er
klärung anders lauten, wenn es sich um die Rente besserer Felder handelt ?
Man versteht nicht recht, weshalb Stuart Mill diese Folgerung nicht
gezogen hat.
Wie erklärt er selbst das Entstehen der Rente auf dem Felde Nr. 1 ?
Da die Erzeugung für die Nachfrage nicht genügt, sagt er, steigen die
Preise, und nur wenn sie eine genügende Höhe erreicht haben,
um in normaler Weise das Kapital und die Arbeit, die in die neuen Felder
gesteckt worden sind, zu entlohnen, wird man Felder zweiter Qualität in
Bewirtschaftung nehmen 8 ).
Was ist nun hier die Ursache der Rente? Sie beruht offenbar auf
dem Steigen der Nachfrage und nicht auf der Inangriffnahme des An-
daß diese Million Zentner auf der jetzt unter Kultur stehenden Fläche geerntet sei;
nehmen wir weiter an, daß die Fruchtbarkeit dieser Fläche sich so verändere, daß sie
nur noch 900000 Zentner hervorbringt: da die Nachfrage immer noch eine Million
Zentner beträgt, so wird der Getreidepreis steigen, und man wird so
den Augenblick vorwegnehmen, an dem man schlechtere Felder urbar
gemacht haben würde, wenn die Fruchtbarkeit des alten Bodens auf
demselben Punkte stehen geblieben wäre“ (Ricardo, franz. Übers. S. 377)’
Übrigens scheint Ricardo am Ende seines Lebens mehr zu einer Auffassung geneigt
zu haben, die der J.-B. Say ? s nahe kommt. Vgl. bei Früsouls (op. cit. S. 21; s. o. S. S9Ö
Anm. 2) merkwürdige Zitate.
*) „Sicherlich kann in gewissen Fällen eine Ware eine Rente abwerfen, sogar
wenn sie unter den ungünstigsten Umständen hergestellt worden ist, aber nur, wenn
sie sich in diesem Augenblick in der Lage eines Gutes befindet, dessen Angebot absolut
beschränkt ist, und das sich infolgedessen zu einem Seltenheitspreise verkauft; dies
ist niemals der Fall gewesen, ist es auch heute nicht und kann auch niemals irgendwie
andauernd der Fall irgendeiner der großen Waren sein, die eine Rente geben“ (MmG
Principles, B. II, Kap. V, § 4). Über die Bergwerke siehe dasselbe Kapitel, § 3'
s ) Ebenda: Hier vergleicht Stuart Mild die Rente mit einem Monopoleinkommen.
„Eine Sache,“ sagt er (B.II, Kap. XVI, § 2), „deren Menge begrenzt ist, ist, auch wen 11
die Eigentümer nicht in Übereinstimmung handeln, trotz alledem ein Monopol.“ Ov'
gleich dieser Ausdruck von vielen Schriftstellern aufgenommen worden ist, kann
doch bestritten werden. Das, was das Monopol charakterisiert, besteht darin, daß oo
oder die Monopolisten im voraus die Menge des Produktes, daß sie auf dem M» lK
anbieten werden, festsetzen, und zwar in der Weise, um den größtmöglichen T°* * a
gewinn zu erzielen. Das ist nicht der Fall für die Besitzer des Grund und Bodens. Wen
es ein Monopol ist, so ist es auf alle Fälle ein unvollständiges Monopol.
3 ) Stuart Mill, Principles, B. III, Kap. V, § 1.