Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
Keime schon die modernsten Ideen enthält und das vielleicht teilweise die 
unverdiente Vergessenheit, in die es gefallen war, dem ungeschickten Titel 
verdankt, der in keiner Weise dem Inhalt gerecht wird. 
Es ist eine wirkliche national-ökonomische Abhandlung, und nicht 
mehr, wie das Buch der Physiokraten, ein V r erk über soziale Wissenschaft, 
in dem volkswirtschaftliche Betrachtungen wahllos mit politischen, juri 
stischen und moralischen Ausführungen zusammengeworfen sind. Von 
Anfang an stellt der Verfasser den Wert als die Grundlage der National 
ökonomie hin und überragt dadurch sofort bei weitem die Physiokraten 1 ). 
Er bezieht den Wert auf den „Nutzen“, um dieses Wort aber sofort von 
seiner landläufigen Bedeutung zu trennen, und ihm jenen wissenschaftlichen 
Inhalt zu geben, den es nicht mehr verlieren sollte: der Nutzen ist m'-cht 
mehr der Ausdruck einer physischen, den Sachen innewohnenden Eigen 
schaft, sondern der einer bestimmten Beziehung zwischen einer Sache uni 1 
einem Bedürfnisse des Menschen: „Der Wert liegt weniger in der Sache v ' 
selbst als in der Schätzung, die wir ihr entgegenbringen, und diese 
Schätzung hängt von unserem Bedürfnis ab; er steigt und fällt wie unser 
Bedürfnis größer oder geringer wird.“ — Hiermit ist die Grundlage der 
psychologischen Theorie des Wertes gefunden 2 ). 
Schon das ist viel und doch noch nicht alles. Condileac erkennt 
sofort, daß der Nutzen nicht der einzige Bestandteil ist, der den Wert 
bestimmt, und daß die Quantität, d. h. der Überfluß oder die Seltenheit, 
ebenfalls einen entscheidenden Einfluß ausübt. In ausgezeichneter Weise 
weist er dann die Verbindung nach, die zwischen diesen beiden Bestand 
teilen besteht, und zeigt, wie sie in Wahrheit eins sind, da die Qualität 
nur deshalb den Wert beeinflußt, weil sie den Nutzen beeinflußt, d. h. weil 
sie den Stachel des Bedürfnisses stärker oder geringer fühlbar macht. 
„Da der Wert der Sachen sich auf das Bedürfnis gründet, so ergibt sich, 
daß ein stärker gefühltes Bedürfnis den Sachen ein größeren, und ein 
geringer gefühltes Bedürfnis ihnen einen geringeren Wert gibt. Der Wert 
der Dinge wächst daher mit ihrer Seltenheit und fällt mit ihrem Überflüsse. 
Im Überfluß kann er sogar vollständig schwinden. Ein überreichlich vor 
handenes Gut z. B. wird stets wertlos sein, wenn man keinen Gebrauch 
davon machen kann, da es dann völlig nutzlos geworden sein wird 3 ).“ 
Besseres kann man auch heute nicht sagen. Die ganze Werttheorie Jevons’, 
wie die der österreichischen Schule war hier im Keime gegeben, entfaltete 
sich aber erst viel später. 
Diese Auffassung des Wertes mußte Condillac auch zu einer viel 
b „Ich habe dies nur deshalb so eingehend behandelt, weil es als Grundlage 
dieses ganzen Werkes dienen soll“ (Kap. I). 
2 ) Le Commerce et le Gouvernement, S. 15. 
3 ) Ebenda, I. Teil, Kap. 1.
	        
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