Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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Kapitel  II.
Adam  Smith.
Trotz  der  Originalität  und  der  Wucht  ihrer  Gedanken  waren  die
Physiokraten  doch  kaum  mehr  als  Vorläufer.  Der  wirkliche  Schöpfer
der  modernen  Nationalökonomie  ist,  wie  allseitig  anerkannt  wird,  Adam
Smith 1 ).  Sobald  als  1776  sein  großes  Werk,  Enquiry  in  to  the  Nature
*)  Das  Leben  Adam  Smith’s  enthält  nichts  Besonderes.  Es  läßt  sich  in  der  Geschichte ­
  seiner  Arbeiten,  seiner  Tätigkeit  als  Professor,  und  in  der  seiner  Freundschaften
zusammenfassen.  Seine  Vertrautheit  mit  dem  Philosophen  Hume  ist  berühmt.  Smith
wurde  in  Kirkcaldy  in  Schottland  am  5.  Juni  1723  geboren.  Er  studierte  an  der  Universität ­
  Glasgow  von  1737  bis  1740,  wo  sein  Lieblingslehrer  der  Philosoph  Francis
Hutcheson  war.  Von  1740  bis  1746  lebte  er  in  Oxford,  um  seine  Studien  zu  beenden,
und  arbeitete  dort  für  sich.,  Das  intellektuelle  Niveau  dieser  Universität  war  zu  dieser
I  t  das  denkbar  niedrigste,  und  die  meisten  der  Professoren  hielten  nicht  einmal  Vor-.
  ungen.  Nach  Schottland  zurückgekehrt,  las  er  in  Edinburgh  zwei  freie  Kollegien,
® lns  über  englische  Literatur  und  das  andere  über  Nationalökonomie;  in  diesem  letzere
 n  verteidigte  er  schon  die  Prinzipien  der  Handelsfreiheit.  Im  Jahr  1751  wurde  er
zum  Professor  für  Logik  in  Glasgow  ernannt,  das  damals  eine  der  berühmtesten  europäischen ­
  Bildungsstätten  war.  Aber  schon  am  Ende  des  gleichen  Jahres  übernahm
d,  1 ^ ro ^ essur  für  moralische  Philosophie,  die  die  vier  Fächer  der  natürlichen  Theologie,
iriVn  hilc,  ,j e:i .  Jurisprudenz  und  der  Politik  umfaßte.  Er  blieb  bis  1764  als  Professor
Glasgow.  2759  veröffentlichte  er  seine  Theorie  der  moralischen  Gefühle,  die
Schnell  große  Beachtung  erzwang.  1764,  40  Jahre  alt,  gab  er  die  Professur  auf
u  begleitete  den  jungen  Herzog  von  Buccleugh,  Stiefsohn  des  berühmten  Staatsail,
 ies  Charles  Townshend,  auf/  einer  Auslandsreise.  Diese  Reisen  nahmen  für  die
jungen  Adligen  oft  die  Stelle  eines  Universitätsstudiums  ein,  das  in  England  auf  ein
(8an  n * e( f r 'g es  Niveau  gesunken  war.  Für  A.  Smith  war  der  Vorteil  dieser  Stellung
,  Ü0  Pfund  Sterling  im  Jahr  bis  an  sein  Lebensende)  bei  weitem  größer,  als  sein  Einkommen ­
  als  Professor.  Die  Reise  dauerte  von  1764  bis  1766  und  führte  ihn  unter  anderem
u  anderthalb  Jahre  nach  Toulouse,  zwei  Monate  nach  Genf,  wo  er  mit  Voltaire  zuamrnentraf,
  und  zehn  Monate  nach  Paris.  Hier  fand  er  Anschluß  an  die  Physiokraten
'  «sonders  an  Tuegot)  und  an  die  Enzyklopädisten.  —  In  Toulouse  begann  er  seine
6  11  .rsuchungen  über  den  Völkerreichtum.  Nach  Schottland  zurückgekehrt,  ließ
r  sich  1767  in  Kirkcaldy  bei  seiner  Mutter  nieder,  um  sich  einzig  dieser  Arbeit  zu
1  men.  1773  war  das  Werk  ungefähr  beendet.  Aber  Smith  ging  nach  London,  und  das
strt  ’  ^ aS  sc f lcm  S r °ß e  Berühmtheit  des  Verfassers  krönte,  erschien  erst  drei  Jahre,
in  Vr  ^ anuar  1778  wurde  Smith  zum  Zollkommissar,  einem  sehr  hohen  Posten,
dmburgh  ernannt,  wo  er  bis  zu  seinem  Ende,  1790,  blieb.
Alles  was  wir  vom  Charakter  Smith’s  wissen*  zeigt  ihn  als  einen  äußerst  feinfr
  *f en  ^ onsc hen.  Die  legendäre  Professorenzerstreutheit  war  ihm  durchaus  nicht
emd  Seine  politische  Meinung  brachte  ihn  in  Berührung  mit  den  Whigs.  In  religiöser
nsicht  huldigte  er  dem  deistischen  Rationalismus,  der  im  18.  Jahrhundert  so  häufig
r >  und  dessen  bekanntester  Vertreter  Voltaire  (den  A.  Smith  sehr  bewunderte)  war.
handi  an ® e  war  die  einzige  Lebensbeschreibung  A.  Smith’s,  die  wir  besaßen,  die  Abg
  Dugald  Stewaet’s:  Accounts  of  the  Life  and  Writings  of  Adam
rp t  '  1 '  ’  die  1793  vor  der  Royal  Society  of  Edinburgh  gelesen  wurde  und  1794  in  den
a üsactions  der  Gesellschaft  erschien,  um  1811  mit  einigen  anderen  Lebensbeschrei-
            
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