Full text: Die Frau und die Arbeit

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8 Schrriner, Die Frau 
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menschlichen Körpers, das, wenn der Ausdruck hier ge 
stattet ist, geistigste Sinnesorgan, so finden wir es bei Mann 
und Frau in allen Perioden des Lebens gleich in Bau, Aus 
sehen und Funktion. Während die Brust, die enge Beziehung 
zur Fortpflanzung hat, wohl in der Kindheit bei beiden Ge 
schlechtern gleich ist, sobald aber der Fortpflanzungstrieb 
wirksam wird, eine weit verschiedene Gestalt annimmt. 
Wenden wir uns zu den verschiedenen Phasen des psy 
chischen Lebens, so zeigen sich genau analoge Erschei 
nungen. Bei der Geburt des Kindes unterscheiden sich Ver 
stand, Empfindungen und Triebe in keiner wahrnehmbaren 
Weise, ob das Geschlecht nun männlich oder weiblich ist. 
Und jene psychischen Verschiedenheiten, die in der späte 
ren Kindheit scheinbar bestehen, sind unzweifelhaft großen 
teils das Resultat künstlicher Anerziehung, welche psy 
chische Geschlechtsverschiedenheiten viel früher aufzwingt 
als sie naturgemäß in Erscheinung träten. So, wenn Spiele 
und Beschäftigungen kleinen Kindern auf Grund ihrer an 
geblichen geschlechtlichen Nichteignung verboten werden, 
wenn man kleine Mädchen gewaltsam vom Klettern oder 
Lärmen abhält oder Knaben davon, sich mit Nadel und 
Faden oder mit Puppen zu unterhalten. Selbst beim ganz 
erwachsenen Menschen, ungeachtet der Verschiedenheit 
der Erziehung, scheinen die psychischen Funktionen auf 
weiten Gebieten des Lebens absolut die gleichen. Das 
männliche wie das weibliche Gehirn eignet sich Sprachen 
an > löst mathematische Probleme, beherrscht wissenschaft 
liche Einzelheiten in ganz ununterscheidbarer Weise, was 
durch die an modernen Universitäten von männlichen 
und weiblichen Studenten gelieferten schriftlichen Arbei 
ten, die in der Regel den genau gleichen Charakter 
Vagen, bewiesen ist. Unter gleichen äußern Verhält 
nissen ist der Geschmack und das Empfinden auf wei 
ten Lebensgebieten gleich, und in unzähligen Fällen, in 
denen scheinbar Geschlechtsverschiedenheiten bestehen,
	        
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