Full text: Die Frau und die Arbeit

zwei Hälften der Menschheit bestimmten weittragenden 
Elementen des menschlichen Daseins gegenüber auf nicht 
gleichem Standpunkt. Von dem Moment an, da die all 
gemein erwachende geschlechtliche Anziehung sich in 
dem ersten körperlichen Sexualakt inkarniert, bis zu der 
Zeit, da der Sprößling die Reife erreicht hat, ist kein 
Schritt auf dem Wege der Fortpflanzung oder in dem 
Verhältnis zur Nachkommenschaft genau derselbe für 
Mann und Weib. Und diese Divergenz der Erfahrungen 
innerhalb menschlicher Beziehungen muß zurückwirken auf 
ihre Haltung gegenüber jener speziellen Gruppe mensch 
licher Interessen, die unmittelbar mit der geschlechtlichen 
Fortpflanzung in Verbindung stehen, und eben auf diesen 
Feldern menschlicher Tätigkeit, wo das Geschlecht als sol 
ches beteiligt ist, hat die Frau als Frau eine Rolle zu 
spielen, die sie niemandem andern abtreten kann. 
Man mag aufrichtig eingestehen, daß die Frau als solche 
im Laboratorium und Zeichensaal, in Industrie und Han 
del, in Mathematik und auf allen Gebieten rein abstrakter 
unpersönlicher Arbeit, obwohl ihr Eintritt in diese Ge 
biete das Gesamtresultat menschlicher Arbeit erhöhen 
würde, und obwohl ihr Ausschluß eine schwere Ungerech 
tigkeit gegen die einzelne, die vielleicht gerade nur für 
diese Tätigkeit geeignet ist, bedeutet, doch wahrschein 
lich auf all diesen Gebieten nur wenig oder nichts zu 
bieten hätte, was von der Arbeit des Mannes innerlich 
durchaus verschieden wäre; es würde wohl ein Unter 
schied in der Menge, nicht aber in der Art der Arbeit 
für die Gesamtleistung erwachsen. 
Aber in jenen Sphären sozialer Arbeit, die sich speziell 
mit menschlichen Verhältnissen beschäftigen, haben die 
Geschlechter als solche auf Grund ihrer verschiedenen, 
sich ergänzenden Beziehungen zur Fortpflanzung des Men 
schengeschlechts, jedes seine eigene Rolle zu spielen, die 
das andere nicht spielen kann. Jedes Geschlecht besitzt
	        
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