Full text: Die Frau und die Arbeit

132 
halb der Menschen weit in Kontakt kommt, während die 
ihm an Größe und Wildheit so unendlich inferioren Hunde 
ihn in der Gefangenschaft überleben und sich vermehren, 
gerade weil ihr kleinerer Bau und ihre geringeren Körper 
kräfte dahin führen, jene sozialen Instinkte und jene For 
men der Intelligenz zu entwickeln, die sie den neuen Le 
bensbedingungen zugänglich und für dieselben wertvoll 
machen. Dieselbe Umwertung der Werte läßt sich in der 
Geschichte menschlicher Rassen nachweisen. Der Jude, 
dessen Geschichte eine lange Kette von Unterdrückungen 
seitens physisch kräftigerer Völker mit stärkeren Muskeln 
und Fäusten war, der zuerst unter der Peitsche des Ägyp 
ters Ziegel formte und später im Exil seine Harfe an die 
Weiden Babylons hing, der durch achtzehn Jahrhunderte 
von den europäischen Völkern gemartert, verachtet und 
mit Füßen getreten wurde, von Rassen, die ihn wohl an 
Körperkraft und Stärke der Faust, nicht aber an Lebens 
kraft, Scharfsinn, Intelligenz und Zähigkeit übertreffen, er 
ist durch die langsame Drehung des Lebensrades nach 
oben gekommen. Die ägyptischen Fronvögte und Krieger 
sind dahingegangen, von den Babyloniern kennen wir nichts 
mehr als einige Gedenktafeln und Inschriften, die von Sie 
gen und Kriegen künden. Die einst gefangenen Juden aber 
sehen wir heute auf allen Straßen und in allen Städten. 
Und die Abkömmlinge jener, die ausspieen, wenn sie von 
Juden sprachen, die ihnen gewaltsam die Zähne ausrissen, 
um ihnen Geld zu erpressen, antichambrieren heute gedul 
dig vor ihren Bureaus und Palästen, Adelige freien ihre 
Töchter, Könige lassen sich in der Hoffnung auf gol 
dene Krumen gern zu ihrer Tafel laden, und die Ent 
scheidung über Krieg und Frieden liegt oft in der Hand 
eines kleinen, asthmatischen Juden. Nach langen Jahrtau 
senden von Verachtung und Pariatum ist die Zeit gekom 
men, ob zum Heil oder Unheil, wo gerade jene Qualitäten 
gebraucht werden, welche den Juden eigen sind und die sie
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.