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Anwachsen ihrer Bildung, Intelligenz und Reife tiefer und
andauernder. Die Buschmännin und ebenso die tiefstehend
sten, rohesten Frauen unserer Gesellschaft geben oft ihr
Kind für eine Flasche Schnaps oder ein paar Pfennige her,
und selbst unter geistig etwas entwickelteren Frauen, so
stark auch ihre Liebe durchschnittlich gegenüber dem
Neugeborenen ist, nimmt doch die Vertraulichkeit der Be
ziehung zwischen Mutter und Kind rasch mit den Jahren
ab, so daß dem Knaben, wenn er zum Jüngling geworden
ist, selten viel mehr als die Erinnerung an eine einstige
nahe Zusammengehörigkeit übrig bleibt. Ehe die Frau den
höchsten Grad von geistigem Wachstum und Verstandesreife
erreicht hat, werden selten ihre Beziehungen zum Sohn
einen dauernden, lebendigen und beherrschenden Faktor
im Leben beider Teile bilden. Die konzentrierte, alles ab
sorbierende Liebe und Kameradschaft, die zwischen der
geistig höchststehenden Frau, die Frankreich hervorge-
bracht hat und ihrem Sohn bestand und das Leben beider
bis ans Ende beherrschte, die Kameradschaft des engli
schen Historikers mit seiner Mutter, die ihm Gefährtin
durchs Leben blieb und an allen seinen Arbeiten teilnahm,
das Verhältnis des heiligen Augustin zu seiner Mutter sind
Beziehungen, die unfaßbar sind, wenn die Frau nicht von
hervorragendem und lebhaftem Geiste ist und wenn die
bloß physische, instinktive Liebe nicht durch geistige und
seelische Bande ergänzt wird.
Die Untersuchung der menschlichen Natur in der Ver
gangenheit bietet also keinen Grund anzunehmen, daß die
durch neue Arbeitsformen freier, wohlhabender und intelli
genter gewordene Frau an Bedürfnis nach physischer oder
geistiger Kameradschaft mit dem Manne einbüßen, oder
daß sein Verlangen nach ihr abnehmen würde, noch daß die
sekundären Geschlechtsrelationen als Erzeuger eine Ver
änderung erleiden würden, es sei denn in der Richtung
einer Vertiefung, Konzentrierung und Ausdehnung der