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elterlichen Gefühle auf das ganze Leben. Die Vorstellung,
daß durch irgendeine bloße Veränderung der Formen der
Frauenarbeit das Bedürfnis von Mann und Frau nachein
ander berührt oder die Gefühle, welche die Geschlechter
aneinander binden, zerstört werden könnten, ist in ihrer
Unmöglichkeit so grotesk wie die Idee, man könnte durch
die Art, wie man eine Muschel an das Seeufer hinlegt,
Ebbe und Flut hintanhalten.
Aber, wird man einwenden, wenn so gar kein Grund für
die Bildung einer derartigen Ansicht vorhanden ist, wieso
kommt es, daß sie doch so oft in einer oder der andern
Form von Gegnern der modernen geistigen Frauenarbeit
vorgebracht wird? Wo Rauch ist, muß doch wohl auch
Feuer sein?
Worauf zu erwidern wäre: „Sicherlich ohne Feuer kein
Rauch; aber sehr oft hat es den Anschein von Rauch, wo
weder Rauch noch Feuer ist.“
Die Tatsache, daß eine Behauptung oft aufgestellt oder
eine Ansicht verbreitet ist, bietet noch keinen Wahrschein
lichkeitsgrund für ihre Wahrheit, wohl aber zweifellos einen
Grund anzunehmen, daß der Schein besteht, der die Be
hauptungwahr erscheinen läßt, und der sie hervorruft. Die
allgemeine Vorstellung, daß die Sonne um die Erde kreist,
war nicht nur falsch, sondern die Umkehrung der Wahr
heit ; zu ihrer Annahme führte bloß der falsche Schein, der
sie suggerierte.
Wenn wir die Behauptung, daß der Eintritt der Frau in
neue Arbeitsfelder mit seinen wahrscheinlichen Folgen
größerer Bewegungsfreiheit, ökonomischer Unabhängigkeit
und höherer Kultur zu einer Trennung der Geschlechter
führen würde, näher untersuchen, so wird es klar, worin der
irreleitende Schein liegt, der zu dieser Annahme verführt.
Der Eintritt der Frau in neue Arbeitsgebiete kann, ob
wohl er ,ihr erhöhte Freiheit und ökonomische Unabhängig
keit bringt und Erweiterung ihrer Bildung und ihres Wissens