und Frau die einzigen in der Frauenfrage sind, bei denen
ich, so oft ich daran denke, mit aller Gewalt meine Entrüstung
niederringen und in Schranken halten muß, um
mir die Objektivität der Betrachtung zu wahren. Ich
würde es daher sehr bedauern, wenn die leichte, nebensächliche
Art, in der diese Frage in dem vorliegenden kleinen
Buch berührt wurde, sie von weniger eminenter Bedeutung
erscheinen ließe, als sie mir zu sein dünkt.
Im letzten Kapitel des ursprünglichen Buches, dem längsten
und wie ich glaube wichtigsten, behandelte ich die
Probleme der Ehe und des persönlichen Verhältnisses von
Mann und Frau in der modernen Welt. Hier versuchteich
auszudrücken, was ich für eine große Wahrheit halte, über
die das Urteil kommender Generationen herauszufordern
ich mich nicht scheue — daß nämlich die Richtung aller
Bestrebungen der Frauen, sich den neuen Lebensbedingungen
anzupassen, nicht zu größerer Lockerung geschlechtlicher
Beziehungen, nicht zu Promiskuität oder
Zügellosigkeit führen, sondern zu einer höheren Bewertung
der Heiligkeit aller Geschlechtsbeziehungen, einer
klareren Erkenntnis des Geschlechtsverhältnisses zwischen
Mann und Frau als der Grundlage der menschlichen Gesellschaft,
von deren Lauterkeit, Schönheit und Gesundheit
die Gesundheit und Schönheit des menschlichen Lebens
als Ganzes abhängig ist. Vor allem aber werden diese Bestrebungen
zu einer engeren, dauernderen, gefühl- und geisterfüllteren
und innigeren Verbindung zwischen Mann und
f rau als Individuen führen. Und wenn in dem jetzigen ordnungslosen
Übergangsstadium unseres gesellschaftlichen
Wachstums die Ehescheidung als ein notwendiges Mittel
der Regelung zulässig erscheint, so geschieht es nicht,
weil eine solche Regelung leicht genommen werden soll;
sondern wir müssen, wie bei einem komplizierten, feinen
Mechanismus, der von einer zentralen Feder bewegt wird,
in das Werk eingreifen, um die Feder anzupassen und zu