Full text : Die Frau und die Arbeit

einer  andern  Seite  aus  ein  Vorgebirge  zu  erklimmen  suchen
und  einander  um  so  näher  kommen,  je  höher  sie  gelangen,
bis  sie  sich  auf  der  Spitze  endlich  begegnen  müssen.
Selbst  die  Opposition,  die  die  Männer  oft  gegen  den  Eintritt ­
  der  Frau  in  neue,  bisher  von  ihnen  monopolisierte  Arbeitsgebiete ­
  erheben,  ist  im  Grunde  nicht  sexueller  Natur.
Die  Männer,  die  bisher  dieses  Monopol  eines  Berufes  oder
Standes  innehatten,  würden  sich  ebenso  und  vielleicht  mit
noch  größerer  Erbitterung  dagegen  wehren,  die  Tore  Mitgliedern ­
  ihres  eignen  Geschlechtes,  die  bisher  ausgeschlossen ­
  waren,  die  sie  in  ihrem  Gewinn  verkürzen  und  ihre
Privilegien  teilen  wollten,  zu  öffnen.  Was  sich  hier  äußert,
ist  der  primitive,  brutale  Instinkt,  ohne  Rücksicht  auf  Gerechtigkeit ­
  und  Menschlichkeit  so  viel  als  möglich  für  sich
selbst  zu  behalten,  ein  Instinkt,  welcher  alle  tiefstehenden
Menschentypen,  sowohl  von  Männern  als  Frauen  beherrscht.
Der  Advokat  oder  Arzt,  der  sich  der  Zulassung  der  Frau  zu
seinem  schwer  zugänglichen  Beruf  widersetzt,  würde  sich
wahrscheinlich  noch  entschiedener  dagegen  sträuben,  den
Damm  von  Beschränkungen  und  Kosten  niederreißen  zu
lassen,  der  andere  Männer  davon  abhält,  seinem  Beruf  zuzuströmen. ­
  Der  Arbeiter  an  der  Maschine,  der  sich  gegen
den  Eintritt  der  Frauen  in  sein  spezielles  Arbeitsfeld  wehrt,
würde  dies  unzweifelhaft  ebenso,  vielleicht  noch  harnäckiger
  gegenüber  dem  Eindringen  anderer  Männer  tun,  wenn
es  irgend  möglich  wäre.
Man  nimmt  manchmal  an,  die  Opposition  des  tiefer
stehenden  Mannestypus  gegen  den  Eintritt  der  Frau  in  Berufe, ­
  die  bisher  sein  Gebiet  waren,  schließe  die  Entstehung
von  Kameradschaft  und  Neigung  zwischen  gemeinschaftlich ­
  arbeitenden  Männern  und  Frauen  völlig  aus;  des  Mannes ­
  Eifersucht  im  Beruf  müßte  notwendig  ein  Gefühl  des
Hasses  und  der  Gegnerschaft  gegen  jeden,  der  sein  Arbeitsgebiet ­
  teilt,  hervorbringen.  Aber  schon  die  oberflächlichste ­
  Beobachtung  des  Lebens  widerlegt  diese  Voraus-175


            
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