27
art verändert, daß man nicht selten Männer in Haus und
Küche arbeiten oder bei Tisch hinter unseren Stühlen
stehen sieht und uns Frauen nichts zu tun übrig bleibt, als
den Bissen zwischen unsere weiblichen Lippen zu stecken.
Das Heer rosiger Milchmägde ist dahin für immer, um
den Milchzentrifugen und den größtenteils von Männer
händen bedienten Buttermaschinen Platz zu machen. In
jeder Beziehung wird mit fortschreitender Zivilisation die
alte Redensart, daß die Bereitung der Lebensmittel aus
schließlich Sphäre der Frau sei, zur veralteten Lüge.
Selbst die untergeordneten häuslichen Beschäftigungen
werden bald nicht mehr in den Kreis der Frauenarbeit fal
len. In den modernen Großstädten läßt man durch Maschi
nen oder außerhäusliche, oft männliche Arbeitskräfte Tep
piche klopfen, die Fenster putzen, die Fußböden bürsten.
Und auch bei der Herstellung der Bekleidung greift die
Veränderung schon viel weiter, als bloß auf die Vorrich
tung des Materials. Schon beginnt die Nähmaschine im
Hause, die fast ganz die alte Nähnadel verdrängt, zu ver
alten, und die Tausende von einer Zentraldampfkraft getrie
benen Maschinen der Fabriken versorgen nicht nur Mann
und Sohn, sondern die Frau selbst mit fast allen Einzel
heiten ihrer Kleidung von der Unterjacke bis zum Mantel.
In den wohlhabenden Klassen sind männliche Kostüm
zeichner und Hunderte männlicher Schneider und Putz
macher daran, dem alten Märchen, daß die Herstellung
der Gewänder für sich und ihre Familie ausschließlich
Aufgabe der Frau sei und einen Teil ihrer häuslichen Ar
beit bilde, endgültig den Garaus zu machen.
Jahr für Jahr, Tag für Tag engt sich unmerklich, aber
entschieden die Sphäre weiblicher Hausarbeit mehr und
mehr ein, und diese Einengung schreitet genau im Ver
hältnis mit jenen komplizierten Tatsachen fort, die wir
„moderne Zivilisation“ heißen.
Sie zeigt sich deutlicher in England und Amerika, als in