Full text: Die Frau und die Arbeit

wart zerstreut, wird es sich dann nicht klar erweisen, daß 
die Frau nicht für sich allein, sondern für die ganze 
Menschheit neue Wege gesucht hat? 
Betrachten wir genau, welche Stellung wir Frauen, die 
wir heute neue Arbeitsfelder und eine Umgestaltung un 
serer Lebensverhältnisse verlangen, einnehmen. 
Man sagt oft, daß das Problem der Arbeit der Frau und 
das des beschäftigungslosen, halb oder unnütz beschäftig 
ten Mannes genau das gleiche wäre, und daß daher mit der 
Lösung des Problems der Arbeit für den Mann unserer Zeit 
auch das der Frau notwendig seine Lösung finden wird. 
Diese Behauptung, so sehr sie einen gewissen äußeren 
Schein von Wahrheit besitzt, ist, wie wir meinen, von 
Grund aus falsch. Es ist wahr, daß die beiden Probleme 
unserer Zeit, das der männlichen wie der weiblichen Ar 
beit, ihren Ursprung großenteils in denselben rapiden 
äußeren Veränderungen haben, die während der letzten 
Jahrhunderte, besonders in den letzten neunzig Jahren, das 
Angesicht der Welt vollständig verwandelt haben. 
Beide, Männer und Frauen, wurden durch diese Verän 
derungen ihrer alten ergiebigen Felder sozialen Wirkens 
beraubt. Hier endet aber die Ähnlichkeit. Der Mann, dem 
die Veränderungen der modernen Zivilisation seine alten 
Arbeitsfelder genommen haben, hat nur eine Wahl übrig: 
neue Arbeitsgebiete finden oder zugrunde gehen. Die Ge 
sellschaft wird ihn bei vollständiger Untätigkeit und fast 
voller Nutzlosigkeit schließlich nicht länger erhalten.Wenn 
er sich nicht in irgendeiner Weise — und sei es selbst in 
schadenbringender — ernstlich anstrengt, so wird er end 
lich zugrunde gehen. Einzelne Drohnen mögen sowohl in 
den wohlhabendsten als in den ärmsten Klassen (Millio- 
närssöhne, Prinzen und Bettler) erhalten bleiben und sich 
fortpflanzen ohne jede körperliche oder geistige Anstren 
gung oder Tätigkeit; aber eine ganze Klasse von Män 
nern, die ihre alte, soziale Verwendung verloren hat und in
	        
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