Metadata: Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Prenßens; Preußen europ. Großmacht. 807 
ein wenig später geschriebener Brief an seinen Bruder wieder: 
„Sie halten die Wage zwischen sterreich und Rußland; Ruß— 
land wird sich schließlich dazu bequemen müssen, für die Vor— 
teile, die Sie ihm verschaffen, Ihnen einen Vorteil zuzugestehen; 
wenn das die Österreicher sehen, werden sie ebenfalls einen 
Vorteil suchen, und so werden die drei Mächte über ihre 
wahren Vorteile zu einem Vergleich auf Gegenseitigkeit ge— 
langen.“ 
Es war das Programm einer ersten Teilung Polens; 
König Friedrich hat es sich, gegen seine ursprüngliche Ab⸗— 
sicht, von seinem Bruder angeeignet: „Wenn unsere kleinen 
Akquisitionsprojekte glücken,“ schreibt er im März 1771, „so 
werden sie Ihnen, mein lieber Bruder, ausschließlich gedankt 
werden.“ 
Indem nun die drei Mächte, von denen Ästerreich im 
Juli 1771 geradezu ein geheimes Bündnis mit der Türkei 
reinging, das ihm die Abtretung der kleinen Walachei eintrug, 
jetzt über eine Teilung großer Gebiete der polnischen Republik 
zu verhandeln begannen, gingen sie, auf Preußens Andrängen, 
für die türkischen Fragen ausdrücklich von der Voraussetzung 
aus, daß Moldau und Walachei unter türkischer Oberherrschaft 
bleiben sollten, und leiteten daraus ein Entschädigungsrecht 
Rußlands und sterreichs, sowie Preußens für seine geleisteten 
guten Dienste, in Polen ab. Damit war denn die türkische 
Frage erledigt, da ein sterreich genehmer Friede zwischen den 
kriegführenden Parteien gesichert war: am 21. Juli 1774 ist 
er zu Kütschük-Kainardschi bei Silistria zustande gekommen. 
Polen aber wurde unter den Großmächten zum Quartus 
sugens. Aus der Teilung des Jahres 1772 erhielt Rußland 
einen bisher noch polnisch gebliebenen Rest von Livland und 
die weißrussischen Gebiete Litauens östlich von der Düna und 
bon der Quelle des Drujak bis zu dessen Einmündung in den 
Dujepr — etwa 1710 Geviertmeilen; sterreich nahm die 
Qönigreiche Galizien und Lodomerien — etwa 1500 Geviert⸗ 
meilen; Preußen endlich erhielt das Bistum Ermland, die 
Woiwodschaft Marienburg, das Kulmerland und Pomerellen,
	        
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