thumbs: Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

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Classen der weiten Umgegend, aus einer Jugend, die jegliches Zeichen 
unterrichtes entbehrt hat. 
So zehrt jetzt die Sonneberger Industrie vornehmlich vom mate 
riellen Theil der Erbschaft ihrer Urväter. Geistig sind die Schatze derselben 
zum allergeringsten Theil gehoben. Der Welthandel zeigt die Richtung, wo sie 
liegen, aber zum Heben derselben ist die Wünschelruthe: „Bildung" nöthig, 
die als idealer Schutz, weit über alle Monopole und Schutzzölle gehend, 
nur von den bildenden Künsten*) ihr wie der gesummten Spielwaaren- 
industrie verliehen werden kann. 
Spielwaaren, so weit der Handel sie trägt, in allen Ländern, in 
allen Volksschichten, in den Palästen der Reichen und in den Hütten der 
Armen, sind sie willkommene Gaben, angethan, das Auge zu erfreuen, das 
Gemüth zu erheitern, den Geist zu unterhalten und zu belehren. Sie haben 
den hohen künstlerischen Anforderungen der gebildeten Classen zu ent 
sprechen, durch naturalistische Formentreue ihrer Gebilde, die als Alphabet 
der Kunst sie gelten läßt, den jugendlichen Formensinn zu schärfen und 
zu bilden. Aber nicht minder auch hat die Fabrikation den Anforderungen 
der zahlreichsten Menschen, welche die mittleren und niederen Volks- 
cla ss en ausmachen, gerecht zu werden, und zwar unter Berücksichtigung ihrer 
pekuniären Verhältnisse, zumal der untersten Volksschichten, deren con- 
sumirender Theil mit den geistärmsten, billigsten Produkten des Materialis 
mus völlig sich begnügt. 
Darum ist der goldene Boden des unabsehbar ausgedehnten Spiel- 
waarenfeldes ein unerschöpflich ergiebiger wie für alles 
materielle, so auch für alles geistige Schaffen — vornehmlich in 
der Plastik der Sonneberger Waaren. 
*) Mit den Wissenschaften, selbst den Naturwissenschaften steht die plastische Industrie, 
darunter die der Spielwaaren-Manufaktur, in keinerlei direkter Beziehung. Außer der 
Galvanoplastik hat sie nur der Chemie eine Anzahl Farben zu verdanken, von denen 
jedoch ein guter Theil von einer anderen Wissenschaft (der Hygiene) zur Anwendung 
ihnen verboten worden ist. Weil international noch nicht festgestellt ist, welche 
Farben an Spielwaaren schädlich oder unschädlich sind, so ist das Urtheil dar 
über der Willkür der Sanitätspolizei eines jeden fremden Zollgrenzortes anheim 
gegeben, wodurch dem deutschen Aktivhandel, namentlich im Spielwaarenfache, eine 
höchst empfindliche Schädigung erwächst.
	        
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