fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

158 Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
den Anspruch einer absoluten Gewalt im Innern, wie es noch 
Karl der Große nach dem Vorbild der römischen Cäsaren gethan; 
er suchte sie vornehmlich auszunutzen nur zur Beherrschung der 
Kirche und Italiens. 
Schon wenige Tage nach der Kaiserkrönung ließ er sich 
von einer Synode in der Peterskirche das Recht übertragen, die 
kirchlichen Verhältnisse im Slawenlande unter Begründung eines 
Erzbistums in Magdeburg und eines Bistums in Merseburg 
von sich aus zu ordnen: es war der Anfang einer kaiserlichen 
Kirchenhoheit in Deutschland. Darauf fetzte er von sich aus 
und in kaiserlichem Sinne eine Reihe allgemein kirchlicher Be— 
schlüsse durch: dem Papste sollte kein Zweifel bleiben, daß der 
Kaifer seine Macht als über dem Stuhle Petri stehend betrachte. 
Der Papst fügte sich scheinbar; als aber Otto Rom ver— 
lassen hatte, da schritt er in Verbindung mit bedeutenden Resten 
des deutschfeindlichen Widerstandes in Oberitalien zur Empörung. 
Keine bessere Wendung hätte der Kaiser wünschen können. Er 
kehrte im Herbst 963 nach Rom zurück; er ließ sich von den 
Römern einen Eid schwören, niemals einen Papst zu wählen 
und zu weihen ohne seine und seines Sohnes Otto Zustimmung; 
er setzte darauf nach langen synodalen Beratungen die Em— 
fernung des unwürdigen Papstes vom Stuhle Petri durch 
wegen Meineid, Unzucht, Simonie. Tempelraub und zahlreicher 
andrer Verbrechen. 
Der Triumph des Kaisers war vollständig; die moralische 
Autorität schien auf ihn übergegangen; er war das wirkliche 
Haupt der Kirche. Auf sein Geheiß ward ein neuer Papst, 
Leo VIII. gewählt, persönlich ehrenhaft, aber nicht frei von 
kanonischen Mängeln. Die Partei des abgesetzten Papstes, 
Johanns XII., eiferte gegen ihn; als Johann am 14. Mai 964 
in wollüstigem Taumel verendet war, wählte sie den gelehrten 
Kardinaldiakon Benedikt zum Gegenpapste. Aber der Kaiser ließ 
sich nicht beirren. Von neuem zog er gegen Rom; „wenn ich mein 
Schwert fahren lasse, dann will ich auch die Wiedereinsetzung 
Leos aufgeben“, soll er geäußert haben!. Ein furchtbares Straf⸗ 
Lib. pont. II ed. Duchesne 8. 246, 24.
	        
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