Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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daß die konsolidierten Eisenbahnen einen großen Überschuß 
hätten, ließ er diesen nicht zur Verteilung kommen, sondern 
gab neue Aktien den Aktionären als Prämie. Die Erzählung 
von dem Überschuß war natürlich nur ein Vorwand, aber 
jede Aktie von 100 Dollar wurde daraufhin gegen ein Zerti- 
fikat, auf 180 Dollar lautend, ausgetauscht: auf je 100 Dollar 
srbeutete man also 80 Dollar 2). 
Trotzdem wurde gar nicht einmal der Versuch gemacht, 
Vanderbilt strafrechtlich zu verfolgen; es wäre ja auch doch 
nur eine Farce daraus geworden, weil die Gerichte, welche 
die kleinen Gesetzesübertreter gar nicht schnell genug ins 
Gefängnis stecken konnten, mit zu der politischen Maschi- 
nerie gehörten, die in Dienst und Sold der großen Verbrecher 
stand. 
„Die ganzen 44 Millionen Dollar,“ führt Simon Sterne, 
zin bekannter Jurist, aus, der 1879 die ganze Sache aufdeckte, 
„repräsentierten nicht mehr Arbeit, als die Drucklegung 
der Aktien erforderte.“ Der geheime und offenkundige Ge- 
winn der konsolidierten Eisenbahnen war so groß, daß der 
Kurs 1869 von 75 Dollar pro Aktie auf 120 und dann auf 
z00 Dollar stieg. 
Und Vanderbilts Anteil an diesen 44. Millionen Dollar? 
Sein Chronist, Croffut, der diese Transaktion beschönigend 
schildert, entwirft folgenden Bericht von dem freudigen 
Ereignis: „Eines Abends, um Mitternacht, holte er (Cor- 
nelius Vanderbilt) aus dem Büro Horace F. Clarks, seines 
Schwiegersohns, 6 Millionen Dollar in Banknoten als seinen 
Anteil an dem Gewinn ab, außerdem hatte er noch neue 
Aktien im Werte von 20 Millionen Dollar“2). 
Durch diesen Coup verdoppelte Vanderbilt seinen bis- 
herigen Reichtum ungefähr. Kaum hatten sich die merkan- 
tilen Interessen von der Bestürzung über ihre Niederlage 
X) Report of Assembly Committee on Railroads, Aussage Alexander Robert- 
sons, eines Sachverständigen, 1879, Bd. 1, 5. 994-—999. 
?) „The Vanderbilts‘“, S. 103. In einer Fußnote erzählt Croffut folgende 
Anekdote: Als zuerst das Porträt Vanderbilts auf den Anteilscheinen erschien, 
besuchte ihn eines Tages ein Aktionär und sagte: „Ich freue mich, Ihr Bild auf den 
Anteilscheinen zu sehen. Es ist 10 Prozent wert. Es flößt jedermann Vertrauen ein.“ 
Vanderbilt lächelte grimmig — die einzige Erwiderung, die er für Komplimente 
hatte. „Denn,“ fuhr der Besucher fort, „wenn wir dies schöne, vornehme Gesicht 
schen, so denken wir, daß Sie nie einen anderen zum Stehlen kommen lassen werden.“
	        
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