Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

22

in  der  jetzigen  Verwirrung  könne  er  nichts  ändern.  Und  dabei
blieb  es.
Napoleon  hatte  anfänglich  die  Absicht  gehabt,  die  beschlagnahmten ­
  Waren  nach  Frankreich  transportieren  zu  lassen,  ließ  sich
aber  überzeugen,  daß  der  Transport  zu  schwierig  und  kostspielig
sei.  Man  ließ  sich  daher  von  französischer  Seite  auf  das  Anerbieten ­
  des  Hamburger  Senats  ein,  die  Waren  zurückzukaufen,
wozu  dieser  im  April  1807  von  der  Bürgerschaft  autorisiert  worden
war.  Leitender  Beweggrund  war  dabei,  daß  man  englische  Repressalien ­
  zu  vermeiden  wünschte,  zu  denen  England  bequeme  Gelegenheit ­
  hatte  —  schätzte  man  doch  allein  das  auf  See  und  in
England  befindliche  Hamburger  Eigentum  auf  über  24  Millionen
Mark  Banko.  Nun  begann  das  Feilschen  um  die  Höhe  der  zu
zahlenden  Summe.  Die  französische  Ausführungskommission  hatte
den  Wert  der  beschlagnahmten  und  zurückzukaufenden  Waren
endgültig  auf  die  oben  angegebenen  Beträge  festgesetzt.  In  Hamburg
erklärte  man  diese  Forderung  für  ungeheuerlich.  7  Millionen  habe
man  schon  für  Einquartierungskosten  und  Requisitionen  geopfert,
und  dabei  sei  Hamburg  eine  neutrale,  unabhängige,  befreundete
Stadt,  dürfe  nicht,  wie  das  eroberte  Leipzig,  nach  Kriegsrecht  behandelt ­
  werden.  Sechs  Btillionen  war  das  höchste  Angebot,  das
man  für  die  Aufhebung  der  Beschlagnahme  machen  zu  können
erklärte.  „Sie  sind  ein  zu  guter  Beobachter,"  schrieb  Syndikus
Gries  am  19.  Juni  1807  an  Bourrienne,  „als  daß  es  Ihnen
entgehen  könnte,  daß  das  Gedeihen,  dessen  sich  unsere  unglückliche
Stadt  erfreute,  vielmehr  auf  der  Schnelligkeit  des  Umsatzes  und
der  großen  Zahl  der  Geschäfte  beruhte,  als  auf  den  Kapitalien
ihrer  Bewohner,  und  daß,  aus  demselben  Grunde,  dieses  Gedeihen
mehr  scheinbar  als  wirklich  war.  .  .  Wie  könnte  sie  also  im
Stande  sein,  eine  so  ungeheure  Summe,  wie  16  Millionen  fr.  zu
zahlen"  ?  Indes,  Napoleon  blieb  unerbittlich;  2  Millionen  auf
Lieferungen  anzurechnen,  war  das  äußerste  Zugeständnis,  zu  dem
er  sich  herbeiließ.  Was  blieb  den  „befreundeten"  Städten  übrig,
als  sich  in  das  Unvermeidliche  zu  fügen?  Am  23.  September  1807
wurde  der  Vertrag  unterzeichnet:  4  Millionen  fr.  zahlte  Hamburg
bar,  den  Rest  in  Wechseln,  und  zwar  in  Raten  von  je  2  Millionen,
zahlbar  Ende  jedes  Monats  von  Oktober  1807  bis  Februar  1808.
Rund  2  Millionen  für  Lieferungen  machten  die  Summe  von
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.