Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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Marsch  all  Brune,  den  Makler  Hesse  mit  der  Beaufsichtigung  der
ein-  und  auslaufenden  Schiffe  und  der  Untersuchung  der  Ladungen
beauftragt.  Dieser  nahm  die  Visitation,  im  Widerspruch  mit  dem
Douanen-Reglement,  ganz  allein,  ohne  Hinzuziehung  von  Zollbeamten, ­
  vor.  Er  stellte  dann  vom  französischen  Konsul  unterzeichnete ­
  Atteste  aus,  die  den  nichtenglischen  Ursprung  der  Waren
bezeugten  nnd  sie  auf  dem  weiteren  Wege  ins  Binnenland  begleiteten. ­
  Ebenso  wurde  mit  den  auslaufenden  Schiffen  verfahren.
Nach  den  Registern  kanien  vom  19.  Februar  bis  3.  August  1807
etwa  590  000  t  Waren  von  der  Seeseite  in  Hamburg  an;  darunter
mußten  sehr  viele  aus  England  und  seinen  Kolonien  stammen.
Vollkommen  sicher  war  dies  z.  B.  bei  den  eintreffenden  Kohlen  der
Fall.  Hamburg  war  überfüllt  mit  englischen  Produkten.  Auch
der  Weitertransport  der  Waren  in  das  Innere  war  bald  organisiert.
Vieles  ging  nach  Leipzig,  denn  in  Sachsen  war  man  im  Interesse
der  heimischen  Industrie  und  des  Leipziger  Handels  besonders
nachsichtig  gegen  den  Schmuggel.  Ein  Bericht  über  die  Leipziger
Ostermesse  1807  enthält  die  Bemerkung,  daß  aus  Altona  viel
englisches  Garn  mit  dänischer  Herkunftsbezeichnung  versandt  werde;
es  herrschte  auf  der  Messe  kein  Mangel  an  Baumwollgarn.
Der  Schlüssel  zu  dieser  laxen  Handhabung  der  Sperre  ist
unschwer  zu  finden.  Napoleon  hatte,  indem  er  Ende  Januar  1807
den  Marschall  Brune  anstelle  Mortiers  zum  Gouverneur  der
Hansestädte  ernannte,  den  Bock  zum  Gärtner  gemacht.  Brune,
nach  einem  späteren  Wort  des  Kaisers,  „ein  unverzagter  Räuber",
steckte  mit  Hesse,  mit  dem  Stadtkommandanten  Lallemand,  dem
französischen  Konsul  La  Chevardibre  u.  a.  unter  einer  Decke,  und
ließ  sich  die  Umgehung  der  napoleonischen  Dekrete  von  den
Hamburgern  teuer  bezahlen.  An  seiner  Bestechlichkeit  läßt  sich
nach  dem  eingehenden  Bericht  des  zur  Aufsicht  über  die  Ausführung
der  Sperre  nach  Hamburg  entsandten  de  Tournon  nicht  zweifeln.
Die  Höhe  der  Summe,  die  die  Kommerzdeputation  Brune  zukommen ­
  ließ,  wird  auf  400  000  fr.  angegeben;  insgesamt  verausgabte ­
  sie  vom  November  1806  bis  Februar  1807  565159  Mark
Banko  zur  Bestechung  französischer  Beamter.  Man  muß  es  Brune
lassen,  daß  er  für  das  Geld  fein  möglichstes  tat,  das  Sperrdekret
unwirksam  zu  machen.  Von  dem  Verfahren  bei  der  Ein-  und
Ausklarierung  der  Schiffe  haben  wir  schon  gesprochen.  Den
            
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