Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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waren,  zum  größten  Vorteil  für  die  französischen  Finanzen,  dem
freien  Verkehr  übergeben  worden.  Jetzt  gedachte  man  in  derselben
Weise  mit  den  ungeheuren  Kolonialwarenvorräten  zu  verfahren,
die  sich  namentlich  im  Laufe  des  Jahres  1809  in  Holstein  angesammelt ­
  hatten.  Die  Hamburger  Kaufmannschaft  begrüßte  die
Einfuhrerlaubnis  mit  Freude,  erhob  aber  lebhaften  Widerspruch
gegen  die  außerordentliche  Höhe  des  Zolls.  Die  Protestnoten,  die
Syndikus  Doormann  und  der  Gesandte  Abel  dagegen  einreichten,
blieben  jedoch  ohne  Wirkung.  Inzwischen  erfolgte  die  Annektion.
Im  Frühjahr  1811  vollzog  sich  die  Entleerung  der  holsteinischen
Magazine;  der  Schlußtermin  mußte  mehrmals  hinausgeschoben
werden,  weil  die  enormen  Warenmengen  nicht  so  schnell  passieren
konnten.  Die  Zollwagen  in  Hamburg  waren  von  5  Uhr  morgens
bis  7  Uhr  abends  ununterbrochen  in  Bewegung.  Bis  zum  9.  April
waren  bereits  über  17  Millionen  Franken  Einfuhrzoll  vereinnahmt,
teils  in  bar,  teils  in  natura.  Die  Waren,  die  bei  letztgenannter
Verzollungsart  an  Zahlungs  Statt  eingingen,  wurden  nach  Antwerpen ­
  und  Köln  gebracht  und  dort  verkauft.  Insgesamt  gewann
die  französische  Staatskasse  durch  diesen  Kolonialwarenschub  aus
Holstein  über  42Vz  Millionen  Franken.  Wir  werden  jedoch  noch
sehen,  daß  die  Hoffnungen,  die  die  Hamburger  Kaufmannschaft
trotz  der  ungeheuren  Verteuerung  durch  den  Zoll  aus  dieses  Ge-Geschäft
  setzte,  sich  zum  größten  Teil  als  trügerisch  erwiesen.
Daneben  wurde  der  direkte  Kampf  gegen  den  Schmuggel  noch
verschärft.  Im  Herbst  1810  bestimmte  Napoleon,  um  den  Eifer
der  Douaniers  und  Soldaten  anzuspornen,  daß  diesen  ein  Fünftel
des  Wertes  der  beschlagnahmten  Waren  zufallen  solle.  Das
Militär  wurde  jetzt  in  viel  ausgedehnterem  Maße  zur  Zolldewachung
  herangezogen,  freilich  sehr  zum  Mißvergnügen  der
Zollverwaltung,  die  diesen  Eingriff  in  ihre  Rechte  nur  höchst  ungern
M).  Immer  noch  war  es  Helgoland,  das  hier  als  Warendepot
für  den  Schleichhandel  wie  als  Stützpunkt  für  engiische  Truppen
und  die  englische  Flotte,  die  französischen  Behörden  beunruhigte.
Man  kam  dahinter,  daß  der  Schmuggelverkehr  sich  besonders  nach
der  Jade,  nach  dem  linken  Weser-  und  dem  rechten  Emsufer
richtete,  Varel  war  der  Vermittelungsplatz  für  die  Korrespondenz
zwischen  Helgoland  und  dem  Kontinent.  Die  Bequemlichkeit,  mit
der  der  Verkehr  hier  vor  sich  ging,  ließ  sich  nur  durch  Bestechung
            
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