I.
Die Hansestädte nnd das revolutionäre Frankreich.
„Frankreich schuf sich frei. Des Jahrhunderts edelste Tat hub
Da sich zu dem Olympus empor.
Bist du so eng begrenzt, daß du sie verkennest, umschwebet
Diese Dämmerung dir noch den Blick,
Diese Nacht: so durchwandre die Weltannalen und finde
Etwas darin, das ihr ferne nur gleicht,
Wenn du kannst."
Ä!it solchen Worten überströmender Begeisterung begrüßte
der Sänger des Messias die Ereignisse von 1789. Und er gab
damit nur einer Stimmung Ausdruck, die in den Hansestädten,
wie im übrigen Deutschland, weit verbreitet war. Die Masse
der Bevölkerung allerdings stand schon aus Mangel an näherer
Kenntnis der Ereignisse — noch waren ja Zeitungen und Zeitung
lesen eine Seltenheit — den großen Weltbegebenheiten ziemlich
gleichgültig gegenüber; stolz auf den etwas verblichenen Glanz
seiner reichsstädtischen Freiheit, zufrieden mit dem ihm verfassungs
mäßig zustehenden Anteil am Stadtregiment, über dessen peinlich
genauer Beobachtung er allerdings argwöhnisch wachte, konnte
der hansestädtische Bürger sich die patriarchalische Leitung der
Senate wohl gefallen lassen. In den Kreisen der Gebildeten aber
brachte man den Ideen von 1789 aufrichtige Sympathie entgegen.
Man hoffte, die Morgenröte der Freiheit „Galliens" werde ein
Zeitalter der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit für ganz Europa
heraufführen, und es gab viele, die diesen Glauben bis in die
Zeit des Konsulats bewahrt haben, anders als Klopstock, der seinen
Irrtum schon nach wenigen Jahren eingestand.
Gelegentlich hat diese Stimmung im übrigen Deutschland
Anlaß gegeben, den Hansestädten während der folgenden Ereignisse
eine unpatriotische Hinneigung zur Französischen Republik vor-
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