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halt durch Schmuggeln zu verdienen. In Hamburg beispielsweise
war es namentlich von den Arbeitern der stillstehenden Zucker
siedereien bekannt, daß sie sich auf diese Weise durchschlugen.
Wer nur ein Pfund Kaffee von Altona nach Hamburg unentdeckt
durch die Douane brachte, hatte einen Tagesverdienst gewonnen.
Die peinliche Zolluntersuchung, die widerliche Art und Weise, in
der die Douaniers namentlich die Frauen drangsalierten, trug
nur dazu bei, einen giftigen Haß gegen die Fremdherrschaft zu
nähren. Mit Bedenken sahen einsichtige französische Beamte, wie
die Bevölkerung auf diese Weise demoralisiert wurde, sich daran
gewöhnte. Recht und Gesetz nicht zu achten. Selbst die bar
barischen Strafen, die man über die Schmuggler verhängte, machten
keinen Eindruck auf die arnien Teufel, die der Hunger und die
Verwilderung zu ihrem Gewerbe trieb.
In Anbetracht der großen Ausdehnung des Schleichhandels
hatte man sich bei der Annektion zur Einrichtung von Spezinl-
gerichtshöfen veranlaßt gesehen, und zwar von Standgerichten
(6our8 prevotnios) für Schmuggelsachen und von ordentlichen
Zollgerichten für Unterschleife bei der Verzollung. Auf Schmuggelei
standen schwere Zuchthausstrafen, bis zu zehn Jahren, und Brand
markung. Die Einführung dieser Gerichte hatte die Folge, daß
die Zahl der Verhaftungen und Verurteilungen sich ins ungeheure
vermehrte. Sprach man doch von 100000 Schmugglern, die in
diesen Gegenden ihrem dunklen Handwerk oblagen. Die Gefäng
nisse waren überfüllt, dabei so ungesund, daß die Arrestanten
massenhaft starben. Aus Mangel an Raum brachte man sie in
fensterlosen, kalten und feuchten Kellern oder alten Türnien unter.
In Bremen betrug die Sterblichkeit der Untersuchungsgefangenen
45 auf 200. Ein großer Teil der zu Zuchthaus Verurteilten
wurde deshalb nach dem Bagno von Antwerpen abgeschoben.
Es läßt sich nicht leugnen, daß die französische Herrschaft
auch manche Verbesserungen mit sich brachte, namentlich aus deni
Gebiet der Rechtspflege, z. B. in der Vereinfachung des Straf
prozesses, obwohl das Strafsystem des Oocks psual als eine Ver
schärfung gegenüber der bisherigen Praxis empfunden wurde.
Aber selbst wo die französische Verwaltung nüt ihren Neuerungen
die besten Absichten hatte, erntete sie wenig Dank. Ihr Versuch,
den Anbau der Zuckerrüben durch Zwang einzuführen, stieß aus