Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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den  verdrossenen  Widerstand  der  Landbevölkerung,  und  die  in  den
hanseatischen  Departements  zahlreich  angelegten  Zuckerfabriken
vermochten  trotz  staatlicher  Subvention  nicht  aufzukommen.  Selbst
die  Bauernbefreiung  erregte  in  den  ehemals  oldenburgischen  und
münsterschen  Gebietsteilen  nur  die  Unzufriedenheit  der  Befreiten,
die  sich  in  zahllosen  Prozessen  äußerte.  Alles  Gute  wurde  mehr
als  reichlich  ausgewogen  durch  jene  ebenso  brutalen  wie  unklugen
Eingriffe  in  das  häusliche  Leben  des  einzelnen,  die  zum  Wesen
des  französischen  Regierungssystems  gehörten.  Mehr  noch  als  die
materielle  Schädigung  durch  die  Kontinentalsperre,  z.  B.  die
Erdrosselung  der  ländlichen  Leinenindustrie,  und  durch  die  Militärund
  Steuerlasten  haben  die  rücksichtslosen  Haussuchungen  der
Zoll-  und  Regiebeamten  und  Gendarmen,  die  harten  Strafen  für
geringfügige  Vergehen  —  eine  Reihe  unzweifelhafter  Justizmorde
ist  den  französischen  Behörden  nachzuweisen  —,  die  Zwangsarbeiten
beim  Bau  der  Befestigungen,  der  Jammer,  der  über  viele  Familien
durch  die  Militär-  und  Marine-Konskription  gebracht  wurde,  dazu
beigetragen,  jenen  wütenden  Haß  gegen  die  Franzosen  großzuziehen,
der  sich  in  den  März-Aufständen  des  Jahres  1813  Luft  machte.
In  den  Städten  kam  dazu  die  geistige  Unterdrückung,  die  willkürliche ­
  Behandlung  der  Presse,  die  Verletzung  des  Briefgeheimnisses. ­
  Auch  die  Bestechlichkeit  und  Geldgier  französischer  Beamter
und  Offtziere,  für  die  gerade  aus  dieser  letzten  Zeit  viele  Beispiele ­
  vorliegen,  war  geeignet,  die  Gefühle  der  Verachtung  und
des  Hasses  allmählich  über  die  der  Furcht  obsiegen  zu  lassen.
Kein  Wunder,  daß  die  Stimmung  der  Bevölkerung  im  Jahre
1812  sich  gegen  das  Vorjahr  merklich  verschlechtert  hatte.  Selbst
aus  den  schönfärbenden  Berichten  der  Präfekten  und  Polizeibeamten
  geht  das  hervor.  Man  hatte  sich  endlich  überzeugt,  daß
man  auch  unter  den  veränderten  politischen  Verhältnissen,  nach
formeller  Gleichstellung  mit  den  alten  Untertanen  des  Kaisers,
auf  Gerechtigkeit,  auf  wirkliche  Förderung  nicht  hoffen  durfte.
11m  die  Jahreswende  1811/12  war  die  Spannung  in  dem
wirtschaftlichen  Riesenkampfe  auf  das  Höchste  gestiegen.  Auf  beiden
Seiten  machten  sich  deutliche  Anzeichen  der  Ermattung  bemerkbar.
Denn  auch  Englands  Widerstandskraft  war  nahezu  erschöpft.  Nach
dem  Aufschwung  des  Jahres  1809,  der  auch  1810,  obwohl  vermindert, ­
  fortdauerte,  brachte  das  Jahr  1811  schwere  Rückschläge.
            
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