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Bevölkerung der Industriestädte wuchs in den 90er Jahren rasch
an und bedurfte einer vermehrten Getreide- und Lebensmittelzufuhr.
Der Überschuß der Getreideeinfuhr Englands über die
Ausfuhr verzehnfachte sich in den beiden letzten Jahrzehnten des
Jahrhunderts (im Durchschnitt 1780/90 : 219 000 Quarter,
1801 : 2 349 000 Quarter), und die Hauptmasse dieser Getreideausfuhr
stammte aus Deutschland, vorzugsweise aus Preußen
(Danzig) und Pommern. Kein Wunder, daß die deutsche Reederei
im Schiffsverkehr der Themse 1798 mit 099 Schiffen nächst der
britischen an erster Stelle stand, daß der Wert ves Londoner Ein- und
Ausfuhrhandels mit Deutschland selbst den mit Ostindien oder
Westindien übertraf. Für Hamburg war neben der Kolonialwareneinfuhr
namentlich noch die Kohlenzufuhr aus Newcastle
— zum Betrieb der Zuckersiedereien — unentbehrlich. Der Verkehr
mit Frankreich ging nun allerdings zurück, aber doch nicht im
gleichem Maße, wie man nach der Zunahme der englichen Einfuhr
erwarten sollte. Mit anderen Worten, der englisch-französische
Seekrieg brachte für den hansestädtischen Seehandel nicht nur eine
Verlegung, sondern eine bedeutende Steigerung des Geschäfts mit sich.
Aber England war nicht der einzige Erbe des französischen
Kolonialwarenhandels. Noch eine andere Nation beteiligte sich
mit Eifer am zunehmenden Seehandel niit überseeischen Genußmitteln
und Rohstoffen, die jungen Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Da die amerikanische Schiffahrt in den Handelswirren
der napoleonischen Zeit keine unbeträchtliche Rolle spielt, müssen
wir auf diesen Zweig des hansestädtischen Verkehrs wenigstens einen
kurzen Blick werfen. Schon der Befreiungskrieg selbst, etwa von
1780 an, hatte Versuche zur Anknüpfung einer direkten Handelsverbindung
der aufständischen Kolonien mit den Hansestädten hervorgerufen,
die zunächst freilich noch den Charakter wilder und ziemlich
unbedachtsamer Spekulation trugen. Der eigentliche Aufschwung
des amerikanischen Verkehrs mit Hamburg und Bremen datiert
erst seit den neunziger Jahren. Seine Entwicklung übertraf womöglich
noch die des Verkehrs mit England an Schnelligkeit und
Umfang. „Eine Hauptursache des in den letzten Jahren zunehmenden
Gewühls der Hamburger Handlung kömmt von Nordamerika
her", schrieb Johann Georg Büsch im Jahre 1797.
Einige Zahlen mögen das näher beleuchten: 1790 figurierten die