Object: Die Entwicklung der Weißgerberei

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scheint. Ganz anders die Alauneinfuhr. Sie hat eigentlich fortwährend 
steigende Tendenz, und nur die große Ausfuhr von 1839 drückt vorüber 
gehend für die folgenden Jahre die Einfuhr herab. Die ganze Alaun 
handelsbilanz aber muß von 1835 ab eine negative genannt werden. 
Da Zahlen für die ganze Zollvereinsproduktion an Alaun oder für 
den inländischen Verbrauch fehlen, ergeben obige Zahlen kein Bild von 
den inländischen Vorgängen; sie zeigen vielmehr nur die konkurrierende 
Tätigkeit des deutschen Alauns auf dem Weltmarkt, sie zeigen also, daß 
nicht nur die deutsche Alaunindustrie den inländischen Bedarf in diesen 
Jahren nicht befriedigt hat, sondern, daß fremder Alaun auch noch die 
Zollschranken zum Schaden der inländischen Industrie durchbrechen 
konnte. Die stets steigende Einfuhr orientiert uns über einen ziemlich 
schnell steigenden Bedarf der inländischen Industrie, welche dies auch 
sei, an Alaun, und sie drängt uns die Frage auf, welches denn eigent 
lich die im Lande vorgehenden, aus den Zahlen nicht ersichtlichen 
Gründe sind, daß die inländische Alaunproduktion dieser steigenden 
Nachfrage nicht gehorcht. Obige Zahlen zeigen mit einer durch nichts 
getrübten Klarheit eine Krise in den inneren Verhältnissen der Alaun 
produktion an; wir lesen in den rapiden Schwankungen dieser Kurve 
mit unzweifelhafter Deutlichkeit die verschiedenen Phasen eines Kampfes, 
den wir auf innere Vorgänge zurückführen müssen, wir sehen, wie 1836 
die Bilanz von -j- 630 plötzlich nach —1470 sich verlegt, wir sehen 
1838, 1839 das Ergebnis einer inneren Manipulation, und wir sehen, 
daß 1843 eine Krise erfolgt sein muß, nach welcher sich die aufgeregten 
Zahlenreihen der vorhergehenden Jahre wieder etwas beruhigen. Wir 
wollen nach dem Wortlaute dieser Zahlenbewegungen suchen, wir wollen 
versuchen, diese wirtschaftliche Zahlensprache zu verstehen. 
Wir haben gehört, daß schon seit 1800 der deutsche Alaun unter 
der englischen und schwedischen Konkurrenz einen schweren Stand hatte, 
daß nur die Kontinentalsperre vorübergehende Erleichterung brachte, daß 
aber dann unter dem weiteren ausländischen Konkurrenzdruck zahlreiche 
Alaunsiedereien in Deutschland eingingen, und das, weil im Auslande 
dieser Artikel wohlfeiler als in Deutschland hergestellt werden konnte *). 
Durch die Weltereignisse der letzten 50 Jahre waren eine ganze Anzahl 
Alaun-verbrauchender Jndustrieeu entstanden, so vor allen Dingen die 
Baumwollenindustrie, und auch die groß gewordene Wollindustrie hatte 
in ihren Färbereien und Tuchdruckereien, dann auch die Weißgerberei 
und die Glacegerberei eine stets steigende Nachfrage nach Alaun zu ver 
zeichnen. Dem paßte sich natürlich die inländische Alaunproduktion so 
gut als möglich an. Es wurde z. B. erzeugt 
») Gülich 1880, Bd. IV, S. 544.
	        
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