Getreidebau und Viehzucht. 909
and Ranch Cattle Area“ *) bekannten Grasländereien sich selbst seinen Unterhaltlsichern
muß, sind die Gestehungskosten äußerst niedrig. Sie werden für ein zum Austrieb auf
den Märkten geeignetes vierjähriges Rind mit 4 bis 5 Dollar angegeben. Der wichtigste
Markt ist der von Chicago. Ungeheure Viehhöfe und Schlachthäuser nehmen hier das
von allen Seiten herbeigetriebene Vieh auf. Das Fleisch der geschlachteten Rinder wird
teils frisch nach den Städten der Union versendet, teils zu Büchsen- oder Pökelfleisch ver
arbeitet oder in gefrorenem Zustande zur Ausfuhr nach Europa gebracht. In gleichem
Umfange wird die Schweineschlächterei betrieben. Auch lebendes Vieh geht von den Ver
einigten Staaten und von Kanada in Menge nach England. Neben Nordamerika sind
die La Plata-Staaten Hauptlieferanten für den englischen Markt. Auf den ungeheuren
Ebenen Argentiniens und Uruguays hat sich das von den Spaniern eingeführte Vieh in
halbwildem Zustande zu riesigen Herden vermehrt. Lange Zeit fanden bloß Häute und
Hörner der Tiere für die Ausfuhr Verwendung. Dann schritt man zur Herstellung von
Tassajo (gedörrtem Fleisch) für die Ausfuhr nach anderen Staaten Südamerikas und zur
Fabrikation von Fleischextrakt; in neuester Zeit geht bereits lebendes Vieh und gefrorenes
Fleisch nach England. In Australien ist namentlich die Schafzucht und die Ausfuhr ge
frorenen Hammelfleisches von Bedeutung.
Über den Viehstand der wichtigsten Länder gibt auf Grund der jüngsten Zählungen
folgende Zusammenstellung Aufschluß:
Land
Rm!
Tausende
Stück
)vieh
auf 100
Einw.
Schafe
Tausende auf 100
Stück Einw.
Schl
Tausende
Stück
oeine
auf 100
Einw.
Deutsches Reich
17 555
66,5
13 589
27,6
12174
24,8
Belgien
1 383
25,1
365
6,6
646
11,7
Dänemark
1 433
67
1 304
59,7
771
35,3
Frankreich
13 364
34,9
21505
56,1
6 337
16,6
Großbritannien ....
11 208
29,6
31 775
83,9
3 278
8,7
Italien
4 783
16,8
8 596
30,2
1 164
4,1
Niederlande
1 513
34,0
811
18,0
577
12,1
Österreich
8 644
36,2
3 187
13,3
3 550
14,9
Ungarn
4 879
33,8
10 595
73.4
4 804
33,3
Rumänien
2 520
50
5 002
99,3
926
18,4
Rußland
27 623
30,6
48 220
52,9
10 742
11,8
Schweden
1920
40
1 345
28
655
13,6
Norwegen
1 004
50,6
1412
71
121
6,1
Schweiz
1 213
42,8
342
12,1
395
14
Vereinigte Staaten. . . .
53 091
84,8
45 048
71,9
45 206
72,2
Buenos Ayres
8 557
1 118,2
51 239
6 695,9
205
26,8
Australien
11 819
310,9
124 287
3 269,3
1068
28,1
Serbien
911
39,4
3 051
132,1
895
38,7
Ähnlich wie mit Fleisch geht es mit anderen tierischen Produkten. Die
australische und die Capwolle hat die Wollproduktion Europas unlohnend gemacht
und langsam vernichtet. Der heutige Markt wird beherrscht von der Zufuhr aus Süd
amerika und Indien und selbst in Molkereierzeugnissen beginnt die überseeische Zu
fuhr sich fühlbar zu machen. Im Jahre 1890 umfaßte die Ausfuhr Neuseelands
3,8 Millionen Pfund Butter und 3,7 Millionen Pfund Käse, jene Kanadas 8,4 Millionen
Pfund Käse.
Naturgemäß übt diese gesteigerte Konkurrenz der unter günstigeren Bedingungen
produzierenden überseeischen Landwirtschaft einen starken Druck auf den Preis der euro
päischen Märkte aus. Am stärksten wurde er in dem freihändlerischen England fühlbar,
das bloß die Einfuhr lebenden Viehs durch das Gebot der Schlachtung am Einfuhrhafen
einigermaßen beschränkt und keinerlei Zoll von Lebensmitteln erhebt. Hier ist der
*) Range Cattle, Vieh auf öffentlichen Ländereien, dessen Eigentümer bloß aus dem Brand-
zeichen erkennbar ist; Ranch Cattle, Vieh, das auf ungehcgten, im Einzeleigcntum stehenden
Weideplätzen gehalten wird.