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risch vollzogen, denn die Erfahrung war der einzige Stütz
punkt in der Ausübung dieses Gewerbes. Er war eine Folge
der großen Umwälzungen, welche besonders seit den sieb
ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf allen Gebieten der
deutschen Industrie und des einheimischen Handels zutage
getreten sind. Sie rüttelten die Gerberei auf, denn der ge
waltige wirtschaftliche Aufschwung bedingte eine ungeahnte
Zunahme des Lederverbrauches und so sah sich der das Ger
bereiwesen beseelende konservative Geist gezwungen, die Er
rungenschaften moderner Technik sich anzueignen und die For
schungen der Wissenschaft in dem Gerbprozeß zu unterstützen
und ihre Ergebnisse selbst vorteilhaft wieder zu verwenden.
Diese Entwicklung führte also von der althergebrachten
Gerbung mit Handbetrieb weg zur Großindustrie mit steter
Verbreitung der maschinellen Verarbeitung der Rohprodukte.
Die kleinen Betriebe waren bald nicht mehr imstande der
Nachfrage und den Ansprüchen, die man an das Fertigprodukt
stellte, zu genügen. Sie gingen zum Teil ein oder entwickelten
sich zu großen Industrien, welche die Hilfe sowohl der Tech
nik wie der Chemie in Anspruch nahmen, um erstklassige
Leder dem Bedarfe entsprechend in kürzester Zeit herzustellen.
Einen solchen Betrieb, der sich seit dem Gründungsjahre 1808
in fortschreitender Entwicklung zum heutigen Großbetrieb aus
gestaltete, sehen wir in einer der größten Lederfabriken
Deutschlands, in der Aktiengesellschaft für Leder
fabrikation München. Als Sohlleder- und Oberleder
gerberei wählte sich das Unternehmen seinen Standort an der
Isar. Schon 1808 wurde ein Kanal gegraben, um dessen Was
serkräfte für den eigenen Betrieb nutzbar zu machen, was
um so wichtiger war, weil man früher die Häute längere Zeit
in das Wasser hängen mußte. Auch heute hat sich der Be
trieb noch nicht frei machen können von dem großen Einfluß
fließenden Wassers, obgleich heute die Rohproduktorientierung
die ausschlaggebende sein dürfte. München als Mittelpunkt des
Häutemarktes für das landwirtschaftliche Oberbayern liefert
am günstigsten die allein zur Verwendung kommenden süd
deutschen Häute. Nur „zahme Häute“ werden verarbeitet,
also solche von Ochsen, Kühen, Stieren, namentlich auch