Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Entwickelung.

83

Die  stärkste  Produktion  und  den  größten  Inlandsverbrauch  hat  Großbritannien, ­
  an  zweiter  Stelle  steht  Frankreich  und  an  dritter  Deutschland.
Am  besten  hat  sich  die  Konfektionsindustrie  Frankreichs  entwickelt,  sie
weist  seit  1890  in  der  Ausfuhr  die  größte  und  in  der  Einfuhr  die  kleinste
Steigerung  auf.
Auffällig  erscheint  die  ganz  geringe  Erhöhung  der  Ausfuhr  Deutschlands, ­
  die  seit  1890  nur  9  Proz.  beträgt.
Die  allgemeine  Annahme,  daß  die  Konfektionsindustrie  in  Deutschland
sich  sehr  günstig  entwickele,  kann  sich  nur  auf  die  Deckung  des  gesteigerten
Inlandsbedarfes  beziehen,  aber  es  bleibt  dann  immer  noch  die  Lücke  offen,  daß
die  Ausfuhr  Deutschlands  zu  den  stark  gestiegenen  Ausfuhrzahlen  Frankreichs
und  Großbritanniens  nicht  im  Verhältnis  steht.
In  Frankreich  könnte  die  günstige  Entwickelung  auf  die  starke  Ausfuhr  an
Damenkleidern  zurückgeführt  werden,  denn  diese  Position  zeigt  dort  tatsächlich
die  größte  Steigerung;  daß  es  sich  aber  nicht  nur  um  durch  die  Mode  begünstigte
Artikel  handelt,  kann  aus  der  Entwickelung  der  Konfektionsindustrie  Großbritanniens ­
  geschlossen  werden.  Großbritannien  hat  z.  B.  in  dem  einen  Artikel
„Wasserdichte  Kleider“  (Waterproofed)  innerhalb  zehn  Jahren  eine  Ausfuhrsteigerung ­
  von  fast  300  Proz.  erzielt.  Die  Ausfuhr  darin  belief  sich  im  Jahre
1903  auf  5,5,  im  Jahre  1913  bereits  auf  20,8  Mill.  Mark.
Einzelne  Sachverständige,  denen  das  Ergebnis  der  Ausfuhr  Deutschlands
auch  ganz  überraschend  erschien,  nehmen  an,  daß  die  zurückbleibende  Entwickelung ­
  auf  die  neuere  soziale  Gesetzgebung  zurückgeführt  werden  müßte,
denn  die  anderen  Länder,  die  mit  billigeren  Arbeitslöhnen  arbeiten,  wären  dadurch ­
  im  Vorteil.  Auch  hätte  Großbritannien  durch  die  starke  Einwanderung
billiger  Arbeitskräfte  in  den  letzten  Jahrzehnten  gewonnen.  Vielleicht  ist  diese
Ansicht  zutreffend.  Es  wäre  aber  auch  die  Möglichkeit  nicht  ausgeschlossen,
daß  die  Konfektionsindustrie  Deutschlands  etwas  zu  sehr  nur  die  Bedürfnisse
der  europäischen  oder  der  umliegenden  Staaten  berücksichtigt,  indem  sie  die
älteren  Artikel  wohl  immer  weiter  auszudehnen  sucht,  aber  sich  um  Neuerungen,
die  die  Hauptforderung  der  anderen  Zweige  der  Textilindustrie  bilden,  weniger
bemüht.
Die  Tatsache,  daß  die  stark  entwickelte  Konfektionsindustrie  Deutschlands
eine  nur  so  geringe  Erhöhung  der  Ausfuhr  seit  1890  aufweist,  müßte  immerhin
zu  neuen  Erwägungen  führen.

a)  Kleider  und  Putzwaren.
Die  Einfuhr  dieser  Artikel  ist  keine  bedeutende,  immerhin  ist  sie  von
1890  bis  1913  um  fast  100  Proz.  gestiegen.
Die  Ausfuhr  dieser  Artikel  von  1890  bis  1913  zeigt  eine,  wenn  auch  geringe
Verminderung.  In  Großbritannien  und  Frankreich  war  diese,  wie  aus  folgender
Aufstellung  zu  ersehen  ist,  eine  weitaus  günstigere.

6*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.