Kaffee-Ersatzstoffe
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unter Zusatz anderer Stoffe, hergestellt werden,
mit heißem Wasser ein kaffeeähnliches Getränk
liefern und dazu bestimmt sind, als Ersatz des
Kaffees zu dienen. Da sie mit Ausnahme des
aus getrockneten Kaffeschalen bestehenden Sak-
ka- oder Sultankaffees und der gerösteten
Kaffeeblätter, die aber nicht in den hiesigen Ver
kehr gelangen, frei von Koffein sind, erscheint
die Bezeichnung K. weniger treffend als das früher
übliche, jetzt verpönte Fremdwort Kaffeesurro
gat. Als Rohstoffe, die z. T. in besonderen Ab
schnitten besprochen sind, kommen hauptsächlich
folgende in Betracht: i. Zuckerhaltige Wurzeln
(Zichorie, Rübe, Möhre); 2. zuckerreiche
Früchte (Feigen, Johannisbrot); 3. stärkereiche
Früchte und Samen (Gerste, Roggen, Eicheln);
4. gemälztes Getreide (Gersten-, Roggenmalz);
5. fettreiche Früchte (Erdnüsse, Sojabohnen);
6. Zuckerarten; 7. als vor oder nach dem Rösten
gemachte Zusätze: zucker-, gerbstoff- und kof
feinhaltige Pflanzenauszüge, Kolanüsse, Speise
fette und -öle, Kochsalz, Alkalikarbonate und
Wasser. Die K. gelangen sowohl gemahlen wie
ungemahlen in den Verkehr, Getreide- und Malz
kaffee meist unzerkleinert, Zichorien- und Feigen
kaffe als Pulver oder knetbare Masse, alle K.
auch wohl in bestimmte Formen (Würfel) gepreßt.
Die Zusammensetzung hängt von der Art der
benutzten Ausgangsmaterialien ab, ebenso der
Geruch und Geschmack des Aufgusses, der dem
jenigen des gerösteten Kaffees mehr oder weniger
nahe kommt. Zur Vermeidung von Irreführungen
müssen alle diese Erzeugnisse in deutlicher Weise
als Ersatzstoffe gekennzeichnet werden. Ihre
Bezeichnung darf das Wort Kaffee nur in den
Wortverbindungen; Zichorienkaffee, Fei
genkaffee, Gersten-, Roggen-, Korn-,Wei
zen-, Malz-, Eichelkaffee sowie Kaffee-Er
satz, Kaffeezusatz, Kaffeegewürz enthalten, hin
gegen sind andere Wortbildungen wie; Deut
scher Kaffee (Kichererbse), Frankkaffee (Zi
chorie), Kneippkaffee (Gerste oder Malz), Be-
rings Kraftkaffee (Lupine), Saladinkaffee
(Mais), Gesundheitskaffee (Weizen, Zichorie,
Kakaoschalen), Kronenkaffee (rote Rüben,Rog
gen, Zichorie), Ungarischer Kaffee (Lupinen,
Zichorie, Kaffee), Hensels Hämatin-Kaffee (Zi
chorie) unzulässig. Auch Mischungen mit echtem
Kaffee dürfen nicht als Kaffeemischung, sondern
nur als Kaffee-Ersatzmischung bezeichnet
werden. Im übrigen ist zu fordern, daß zur Her
stellung unverdorbene, genügend gereinigte Roh
stoffe Verwendung finden, daß insbesondere der
Aschengehalt bei Feigenkaffee 7% mit 1 °/o Sand,
bei anderen K. 8 0/0 mit 2,5 % Sand nicht über
steigt Ausgelaugte Zuckerrübenschnitzel, Kaffee
satz, Olivenkerne, Steinnußabfälle, Farbstoffe und
andere wertlose Stoffe, Mineralöle, Glyzerin,
Rückstände von der Melasseentzuckerung sollen
überhaupt nicht benutzt werden. Als Überzugs-
(Glasierungs-)mittel dürfen nur Zuckeraften oder
Schellack benutzt werden. Der höchstzulässige
Wassergehalt beträgt bei Zichorienkaffee 30 0/0,
bei Feigenkaffee 20%, bei Getreide- und Malz
kaffee 10 0/0. Die nach bestimmten Rohstoffen
benannten K. müssen auch ausschließlich aus
diesen bestehen. Insbesondere darf K. aus un-
gekeimtem (gemälztem) Getreide nicht als Malz
kaffee bezeichnet werden. Verschimmelte, sauer
gewordene oder durch Käfer, Milben u. dgl. ver
unreinigte K. sind als verdorben zu beurteilen-
Diese während des Krieges recht vernachlässig
ten Grundsätze werden nach Friedensschluß wi e '
der in ihre Rechte treten. Für die Untersuchung
der K. spielt das Mikroskop die ausschlag
gebende Rolle. Ein ganz brauchbares Mittel
zur vorläufigen Unterscheidung des echten ge
mahlenen Kaffees von den K. besteht darin, daß/
man das Pulver auf Wasser schüttet, wobei
Kaffee oben schwimmt, während die Ersatzstoffe 1
nach unten sinken und das Wasser braun färben. I
Der Wert det in Deutschland verbrauchten Er- 1
satzstoffe wird auf 30 Millionen M. jährlich ge-1
schätzt.
Kaffee-Extrakte (Kaffee-Essenz) sind ein- j
gedickte wäßrige Auszüge aus gebrannten Kaffee- I
höhnen, allenfalls unter Zusatz geringer Mengen I
Zucker und Milch, doch müssen letztere gekenn- I
zeichnet werden.
Kainit, neben Karnallit der wichtigste Be- J
standteil der Abraumsalze von Staßfurt und r
Kalusz, besteht aus einem wasserhaltigen Dop- I
pelsalze von schwefelsaurer .Magnesia und Chlor- J
kalium, MgS0 4 -(- KC1 2 yf- 3H ä O. Er wird zur I
Bereitung von Chlorkalium benutzt, wobei als 1
Nebenprodukte noch schwefelsaures Kalium, Mag- J
nesia und Bittersalz erhalten werden.
Kainkawurzel (brasilianische Schlangen- I
wurzel, lat. Radix caincae, frz. Racine de caince, j|
engl. Cainca-root), die holzigen Wurzeln einiger I
Arten der im tropischen Amerika heimischen, J
zu den Rubiazeen gehörigen Gattung Chio- !
cocca. Die westindische Schlangenwurzel j
stammt von Ch. racemosa, die brasilianische von |
Ch. anguifuga, densifolia und scandens. J
Die 1—2 cm dicke, stark verästelte und hin und I
her gebogene Wurzel, an der oft noch Stamm- I
Stückchen sitzen, ist von einer außen graubrau- |
nen, runzelig-geringeltem, innen dunkelbraunen ||
und harzigen Rinde umgeben. Das harte Holz 1
erscheint blaßbräunüch. Beim Kauen entwik- j
kelt sich ein schwach aromatischer kaffeeartiger |
Geruch und ein bitterlich kratzender Geschmack, j
der durch eine der Wurzel eigentümliche, in 1
farblosen seideglänzenden Nadeln kristallisie- I
rende, Säure, die Kainkasäure (auch Kainzin i
und Kainkabitter genannt), verursacht wird. I
Die Wurzel wurde früher mehr als jetzt als |
kräftig purgierendes und harntreibendes Mittel,
auch gegen Wassersucht, angewandt.
Kairin (salzsaures Äthylhydroxychino- |
lin, lat. Kairinum, frz. Cairine, engl. Kairin) 1
wurde im Jahre 1882 von O. Fischer synthetisch j
dargestellt, indem er Chinolin mit Schwefelsäure
erwärmte, das entstehende Oxychinolin der Na- 1
tronschmelze unterwarf, reduzierte und schließ
lich mit Äthyljodid behandelte. K., ein in Wasser |
und Alkohol lösliches farbloses Kristallpulver,
erregte seinerzeit als erstes künstliches Ersatz-
mittel des Chinins das lebhafteste Interesse, ist j
aber jetzt wegen seiner gefährlichen Nebenwir- f
kungen. auf Herz und Nervensystem völlig auf- i
gegeben worden.
Kaiserbrunnen ln Aachen, eine alkalisch-
muriatische Schwefelthermet von 55 0 C, besitzt
folgende Zusammensetzung für 1000 Gewichts
teile: Bikarbonate des Natriums 0,9244g, Li- j
thiums 0,0004 g, Kalziums 0,2197 g, Strontiums