Full text: Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Produktion. 
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In der Textilindustrie Belgiens sind die Baumwoll-, Woll- und Leinen 
industrie die wichtigsten; von geringerer Bedeutung ist die Juteindustrie. Die 
Baumwoll- und Leinenindustrien haben ihren Hauptsitz in Gent, während für 
die Wollindustrie Verviers als Mittelpunkt anzusehen ist. 
Baumwollindustrie *). In dieser gehört die Spinnerei zu den bedeutendsten 
Textilzweigen Belgiens. Sie beschäftigt 53 Spinnereien mit 1 775 OOO Spindeln 
und 24000 Webstühlen und ist in folgenden vier Provinzen ansässig: Ostflandern, 
Westflandern, Brabant und Hainaut. Die Spinnereien verarbeiten vornehmlich 
amerikanische, indische und auch ägyptische Baumwolle und haben einen durch 
schnittlichen Jahresbedarf an roher Baumwolle von 44560 t. Ihre Fabrikate 
beschränken sich fast ausschließlich auf einfache rohe Garne, welche gut vier 
Fünftel der belgischen Garnproduktion ausmachen. Es werden rohe Schuß- und 
Kettengarne der Feinheiten Nr. 1 bis 80 a hergestellt, vornehmlich aber die Garne 
Nr. 16 bis 40 a, der Rest besteht aus groben Schußgarnen von Nr. 1 bis 16a. 
Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die belgischen Spinnereien nur grobe 
Garne produzieren. Mit 90 Proz. ihrer Produktion nehmen die Spinner Anteil 
am einheimischen Markt, und nur 10 Proz. fallen der Ausfuhr zu. 
Die Weberei hat ihren Hauptsitz in Ostflandern, wo sich von 61 Webe 
reien 57 befinden. 7 921 Arbeiter sind in den Fabriken beschäftigt und 2 800 
leisten Heimarbeit. Letztere Art von Arbeitern nimmt jedoch von Jahr zu Jahr 
ab. Die Webereien stellen eine ganz hübsche Anzahl von Geweben dar, und 
sei der bedeutendsten in nachfolgendem Erwähnung getan: 
Gent fabriziert in der Hauptsache einfach gewebte und fassonierte Stoffe, 
sowie auch Baumwollsamt. Hervorgehoben zu werden verdienen die Kattune, 
Kalikos, Kretonnes, Madapolams, Schirtings, Baumwollflanelle, zweiseitig gerauht, 
Drilliche, Satins und Futterstoffe, sowie die Servietten-, Tisch- und Bettdecken 
fabrikation. Gent hat sich auch für die sogenannten Kolonialstoffe, wie 
»Americani“ (roher Kaliko) und „Indigo-Drill“ (blaugefärbter Baumwollstoff) 
spezialisiert, welch letztere nach dem Belgisch - Congo als Tauschgut exportiert 
werden. 
Renaix, eines der wichtigsten Industriezentren, hat sich vornehmlich auf die 
Herstellung der Kretonne- ünd Zephirstoffe, sowie der Baumwollkonfektionsstoffe 
geworfen. Es werden aber auch Drilliche, Flanelle, Satins, Oxfords und der 
gleichen, sowie Taschentücher und andere Phantasieartikel produziert. Außer 
Renaix, wo die Erzeugung der Baumwollkonfektionsstoffe eine sehr große Aus 
dehnung gewonnen hat, wird dieser Artikel noch in Mouscron, Dottignies und 
Courtrai hergestellt. 
Saint-Nicolas erzeugt hauptsächlich Kattune, Flanelle und Schale. 1er- 
monde und Alost fabrizieren einfache und fassonierte Baumwolldecken, Scheuer 
tücher usw., Brüssel und Stalle liefern alle Arten bedruckte Gewebe. 
l ) Nach „Etudes sur la Belgique 1913“. Verlag Misch & Thorn, Brüssel-Leipzig.
	        
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