Metadata: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 
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Zuckerproduktion auch ein weltwirtschaftlicher Strukturwandel einge- 
treten ist, braucht nur angedeutet zu werden. Im Kampf zwischen Rohr- 
und Rübenzucker hat bis auf weiteres der Rohrzucker die Führung. 
Von der Weltzuckerproduktion entfielen auf Rübenzucker in den Jahren 
1852/53: 14 °/o» 1901/02: 62%, 1913/14: 47%, 1025/26: 34%. Die 
Rohrzuckerwirtschaft hat jedoch auch in sich einen Strukturwandel 
erfahren. Während in den letzten Vorkriegsjahren Indisch-Asien an der 
Spitze stand, liegt die F ührung heute wieder bei Kuba, das seine Zucker- 
wirtschaft mit Hilfe amerikanischen Kapitals vollständig neu aufbaute 
und gegenüber dem Jahre 1913 seine Produktion von 2,1 auf 5,3 Mil- 
lionen t vermehrte. 
Im Anschluß an die Erörterungen über den synthetischen Stickstoff 
(S. 17) sei schließlich darauf hingewiesen, daß der bedeutungsvollste 
agrarische Strukturwandel auf dem Gebiete der Ertragssteigerung 
liegt. Zwar handelt es sich einstweilen noch um bloße Möglichkeiten, 
deren Umsetzung in die Praxis in den ersten Anfängen steht. Grund- 
Sätzlich aber darf das Folgende gesagt werden. Bis gegen Ende der 
Vorkriegszeit stand die Ackerwirtschaft im Zeichen der Lehre von der 
Statik des Bodens, d. h. der Erhaltung seiner Kräfte. Heute steht 
im Vordergrunde die Lehre von der positiven Dynamik des Bodens, 
d. h. dem Wachsen und der Vermehrung seiner Kräfte! Daß sich 
damit unübersehbare Entwicklungsmöglichkeiten verbinden, sei nochmals 
ausdrücklich hervorgehoben. Ihr Tempo allerdings, um auch das zu 
Wiederholen, wird letztlich durch den Grad ökonomischer Realisier- 
barkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnis bestimmt. 
Endlich ein Wort über Strukturwandlungen im Verkehrswesen. 
Von Deutschland und einigen andern Ländern abgesehen, war in der Vor- 
kriegszeit die Bahnung von Verkehrswegen die eigentliche Betätigung des 
Kapitalismus, denn hier winkten — allerdings mehr mittelbar als un- 
Mittelbar — hohe Gewinne. Im letzten Jahrzehnt ist dies anders ge- 
Worden. Große, insbesondere transkontinentale Bahnbauten wurden 
Nicht in Angriff genommen. Weltwirtschaftliche Strukturwandlungen 
infolge der Schaffung von neuen, international bedeutsamen Eisenbahn- 
Wegen haben deshalb gegenüber der Vorkriegszeit nicht stattgefunden, 
abgesehen vielleicht von der inzwischen fertiggestellten transandinischen 
Bahn, die Valparaiso und Buenos Aires miteinander verbindet. Negativ 
Gllt ins Gewicht, daß die sibirische Bahn ihre Funktion als: Welt- 
Verkehrsweg noch nicht voll wieder ausübt. Das Stagnieren des Bahn- 
baues in wirtschaftlichen Neuländern ist übrigens eine wesentliche Ursache 
für die Depression in der Eisenindustrie der Welt. Es ist anzunehmen, 
daß sich dies erst ändert, wenn der Inlandmarkt der Vereinigten Staaten 
ler dortigen Eisenindustrie keine ausreichende Beschäftigung mehr gibt,
	        
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