Produktion.
479
z. B. England bereits vor dem Kriege eine starke Einfuhr an Wirkwaren aus
Amerika, die im Kriege noch eine wesentliche Erhöhung erfuhr. In den über
seeischen Ländern konkurriert Amerika in diesem Artikel mit Japan. Von 1899
bis 1909 hat sich die Produktion an Wirkwaren verdoppelt. Im Jahre 1910
wurden wieder 113 Wirkwarenfabriken errichtet. In einem Bericht über Neu
einrichtungen von amerikanischen Textilfabriken im Jahre 1910 : ) heißt es: „Die
größte Unternehmungslust hat sich im Jahre 1910 hinsichtlich des Baues von
Wirkwarenfabriken bekundet. Tatsächlich ist noch in keinem früheren Jahre
eine so große Zahl neuer Fabrikunternehmungen dieser Art zu melden gewesen,
und dies ungeachtet dessen, daß in der Branche übermäßiger Wettbewerb die
Preise auf eine nahezu ruinöse Basis herabgedrückt und im Laufe des Jahres 1910
mehrere Wirkwarenfabrikanten zur Zahlungseinstellung genötigt hat.“
Spitzen- und Stickereiindustrie.
In diesen Artikeln war Amerika lange Zeit auf die Einfuhr angewiesen.
Zur Förderung dieser Industrie wurde sogar die Einfuhr von Stickmaschinen
für einen beschränkten Zeitraum vom Zoll befreit. Eine stärkere Förderung trat
durch die Gründung der „Schweizerisch-Amerikanischen Stickerei-Industrie-
Gesellschaft“ ein, bzw. durch die Einführung leistungsfähiger Automaten seitens
der Gesellschaft in Amerika. Bisher war eine stärkere Einbuße der Einfuhr an
Spitzen und Stickereien nicht wahrzunehmen, und es ist anzunehmen, daß der
Bedarf in diesen Artikeln ein so großer ist, daß die Einfuhr neben der Inlands
produktion noch längere Jahre aufrecht erhalten bleibt.
Wollindustrie.
Die Wollindustrie Amerikas zeigt nicht die große Entwickelung wie die
Baumwoll- und Seidenindustrie, ist aber nicht unbedeutend und entwickelt sich
in erster Linie in der Richtung, daß der große Inlandsbedarf gedeckt wird.
Die Ausfuhr an Fertigwaren kommt bisher nicht in Betracht, dagegen ist
die Einfuhr an Fertigwaren seit 1889/90 um fast auf die Hälfte zurück
gegangen, während die Einfuhr an roher Wolle im gleichen Zeiträume stark
gestiegen ist.
Sämtliche Halbfabrikate, wie Kammzug, Streich- und Kammgarne, werden
im Inlande hergestellt, nur in Alpaka und Mohairgarnen zeigt sich noch 1913/14
eine Einfuhr im Werte von 6,1 Mill. Mark; indessen werden auch diese Garne
bereits im Inlande gesponnen.
Die Wollindustrie ist hauptsächlich in Massachusetts, Pennsylvanien und
Rhode Island vertreten, außerdem in geringem Maße in New Jersey, New
York usw. Massachusetts erzeugt 32,6 Proz. der gesamten Artikel.
*) Leipziger Monatsschrift für Textilindustrie 1911, S. 25.