Produktion.
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Die Jahresernte an Baumwolle wurde im Jahre 1912 auf 70000t geschätzt,
von denen 17000 bis 18000t zur Ausfuhr gelangten.
Erzeugt werden alle Arten Kleider- und Futterstoffe (einschließlich der
Arbeiteranzüge), Handtücher usw.; auch die Herstellung der Wirkwaren hat in
den letzten Jahren stark zugenommen. Die feineren Baumwollwaren werden
meist aus dem Auslande eingeführt. Die Einfuhr an Baumwollwaren deckt
etwa ein Viertel des Bedarfs, während drei Viertel desselben von der inländischen
Industrie gedeckt werden.
Die einzelnen Positionen der Einfuhr sind aus der Aufstellung auf S. 518
zu ersehen. Nach französischen Fachblättern sind die großen Städte Brasiliens
sehr gute Absatzgebiete für jede Art von Frauenwäsche, und zwar besonders
für mit der Hand genähte und gestickte Artikel.
Wollindustrie. Die Schafzucht Brasiliens ist unbedeutend. Die Ausfuhr an
roher Wolle beträgt jährlich ungefähr 2000 t. Den vorhandenen Fabriken nach
kann angenommen werden, daß mindestens 1000t gewaschene Wolle vom Inlande
verarbeitet werden.
Außerdem werden wollene Webgarne für den ziemlich hohen Betrag von
8,8 Milk Mark eingeführt.
Brasilien ist wohl ein ausgesprochenes Verbrauchsland für Baumwolle, aber
auch die Wollwarenindustrie hat in den letzten Jahren sich zu entwickeln begonnen.
Die Zahl der Wollfabriken dürfte 15 bis 20 betragen, darunter ein
größerer Teil, der sich besonders der Erzeugung von Hüten widmet.
Seidenindustrie. Die Einfuhr an Rohstoffen und Halbfabrikaten der Seidenindustrie
ist nicht bedeutend, aber den vorliegenden Berichten nach werden in
4 bis 5 Fabriken bereits die einfacheren Seidengewebe in großen Mengen hergestellt,
besonders einfarbige Stoffe, die als Kleiderstoffe, Schirm- und Futterstoffe
Verwendung finden. Die Fabriken besitzen keine Färbereien, sie führen die
gefärbten Garne in Dockenform ein. Auch mit der Herstellung von seidenen
Bändern, Litzen und Posamenten befassen sich bereits zwei Fabriken.
Leinen- und Juteindustrie. Durch den Umstand, daß in der Statistik Brasiliens
vielfach die eingeführten Rohstoffe dieser zwei Gruppen zusammengefaßt sind,
ist es nicht möglich, festzustellen, je wieviel auf die Leinen- und Juteindustrie
entfällt. Im allgemeinen kann jedoch angenommen werden, daß die Leinenindustrie
Brasiliens unbedeutend ist. Nach einer privaten Mitteilung arbeiten
zwei bis drei Leinenwebereien in größerem Umfange. Die Juteindustrie dagegen
hat sich stark entwickelt, weil ein großer Inlandsbedarf für den Kaffeeversand
vorhanden ist. Die Einfuhr an Jutegeweben und Säcken ist geringfügig,
da der vorerwähnte Bedarf bereits von der inländischen Industrie fast
vollkommen gedeckt wird.