(1019) 1867 April 13
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schichte der Seereise. Höchst tolles Wetter und Sturm. Mir war,
nach dem langen Verschluß, dabei so kannibalisch wohl als wie
500 Säuen. Doch wäre die Sache auf die Dauer ennuyant ge-
worden mit all dem kranken und abfallenden Gesindel rechts und
; links, hätte nicht ein gewisser nucleus Stich gehalten. Das war
ein sehr „gemischter“ Kern, viz. ein deutscher Schiffskapitän, der
Dir im Gesicht sehr ähnlich, aber kleiner Kerl, er hatte auch viel
von Deinem Humor und dasselbe gutmütig frivole Zwinkern des
Auges; ein Londoner Viehhändler, echter John Bull, bovine in
‚o every respect; ein deutscher Uhrmacher aus London, netter
Bursche; ein Deutscher aus Texas und, die Hauptperson, ein Deut-
scher, der seit 15 Jahren sich herumtreibt im Osten von Peru,
einer erst kürzlich geographisch registrierten Gegend, wo u. a.
noch tüchtig Menschenfleisch verspeist wird. Ein toller, tatkräf-
s tiger und lustiger Bursche. Er hatte sehr wertvolle Sammlung bei
sich von Steinäxten usw., die in den „Höhlen“ gefunden zu sein
verdienten. Als Anhang eine Frauensperson (die andern Damen
alle seasick und kotzend in der Damencabin), alter Gaul mit zahn-
losem Maul, hannöversch fein sprechend, Tochter eines urahnen-
u ligen hannoverschen Ministers, von Baer oder so was, jetzt seit
lange Menschenabrichterin, Pietistin, Arbeiterlage hebend, be-
kannt mit Jules Simon, voll Seelenschöne, womit sie unsern bo-
vine friend tot ennuyierte, Well! Donnerstag Abend, wo der
Sturm am schlimmsten, so daß alle Tische und Stühle tanzten,
# kneipten wir en petit comite, während „das“ alte weibliche Gaul
auf einem Kanapee lag, wovon die Bewegung des Schiffs sie von
Zeit zu Zeit in die Mitte der Cabin — um sie zu zerstreuen ein
wenig — auf den Boden trollte. Was hielt diese Schöne unter
diesen erschwerenden Umständen gefesselt? Warum verzog sie
» sich nicht ins Frauengemach? Unser deutscher Wilde erzählte mit
wahrem Gusto alle Geschlechtsschweinereien der Wilden. Voilä
le charme für die Zarte, Reine, Feine. Ein Beispiel: Er ist be-
gastet in einer Indianerhütte, wo grade denselben Tag die Frau
niederkommt. Die Nachgeburt wird gebraten und — höchster
‚ Ausdruck der Gastfreundschaft — er hat ein Stück von dem sweet-
bread mit zu genießen!
Gleich nach unsrer Ankunft geh ich zu Meißner. Commis sagt
mir, daß er vor 3 Uhr (Nachmittag) nicht zurück. Ich ließ meine
Karte da und lud Herrn Mleißner] zum Diner bei mir ein. Er
u kam, hatte aber noch einen Andern bei sich und wollte, ich solle
mit ihm gehn, da seine Frau ihn erwarte. Ich schlug das ab, kam
aber überein, daß er mich 7 Uhr Abends besuchen sollte. Er sagte
mir en passant, daß Strohn wahrscheinlich noch in Hamburg. Ich
ging also zu Strohns Bruder. Unser Mann the very same morning
vach Paris gereist, Also Abends kam Meißner. Netter Kerl, ob-
y 97 (Commis)-—45 (Meißner).