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logie wurzeln, die aber ebensooft als sonst irgend etwas politischen Ur
sprungs sind, außerordentlich verstärkt. In dem Grade, als dies der Fall
ist, kann das Gewicht der Probleme, die das Vorurteil erzeugt, durchsorg
fältiges Verfahren gemildert werden. Als Beweis, daß es eine erworbene
Abneigung ist, kann ich den Fall des amerikanischen Mulatten anführen.
In den Südstaaten bildete der Mulatte vor dem Kriege eine dritte Rassen
kategorie, die zu den Weißen gute Beziehungen pflegte und die den Neger
verachtete. Doch die Verkündigung der Negerbefreiung zerstörte die
Privilegien des Mulatten. Er wurde in das Lager des Negers zurückge
worfen, er akzeptierte die neue Kameradschaft. Heute hat er sich selbst
mit seinem Bruder reineren Geblüts identifiziert und macht mit ihm
gemeinsame Sache. Das Umgekehrte ereignete sich in der Kapkolonie,
als diese ihre Verfassung erhielt. Der gelinde Druck, den die Reichs
behörde zugunsten der politischen Anerkennung der Eingeborenen
ausübte, sicherte ihnen das Wahlrecht. Seitdem hat der Rassenkampf,
der die anderen südafrikanischen Kolonien beunruhigt hat, im Kap-
land aufgehört. Trotzdem existiert die Rassenabneigung, was auch
ihre Ursachen sein mögen. Sie bildet für die Staatsmänner des Reiches
eine sich stetig verschärfende Schwierigkeit.
Auch dürfen wir nicht vergessen, daß eine Rasse desto untauglicher
wird, sich mit einer anderen von verschiedenen Eigenschaften zu ver
mischen, je älter jene erste Rasse ist. Die Sprödigkeit kommt mit
dem Alter. Die Umgebung gibt der Rassenbeschaffenheit ein festes
Gepräge, die Auslese spezialisiert einige Eigenschaften und eliminiert
andere, so daß mit der Zeit die vielen Entwicklungsmöglichkeiten be
schränkt werden, die sich einer neuen Rasse auftun, deren reiche
^Eigenschaften noch gären und unentwickelt sind, einer Rasse, die in
ein Milieu gestellt worden ist, das auf Rasseneigentümlichkeiten noch
keinen Eindruck hinterlassen hat. Die Kreuzung erzeugt dann weniger
verheißungsvolle Erfolge 1 .
Selbst vom Standpunkte der eingeborenen Rasse hat die Vermischung
1 Sir Sydney Olivier kommt in seinem Buche über White Ccepital and Coloured
Labour zu einem anderen Schlüsse als ich. Kreuzung vergleicht er mit der
Vermischung von Kandisfasern durch Ausziehen. In dem Maße als die Strähne
gezogen und doubliert werden, werden sie immer feiner, bis bei der Beendi
gung dieses Verfahrens eine gleichartige Farbe hergestellt ist, die sich von den
beiden Stammfarben unterscheidet. Diese Ansicht harmoniert jedoch nicht
mit dem beobachteten Prozeß der Hybridation. Sie berücksichtigt nicht die
Verschiedenheit der Ergebnisse, die zu der Theorie der Vererbung mit re
zessiven und dominierenden Anlagen (Spaltungs- und Prävalenzregel) geführt