Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

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China.  Textilwareneinfuhr.

wollene  Decken  werden  in  den  letzten  Jahren  in  ziemlichen  Mengen  eingeführt.
Nach  einem  anderen,  dem  „Bulletin  Commercial“  Brüssel  entnommenen  Bericht
nimmt  das  Tuchgeschäft  in  China  einen  großen  Aufschwung,  seitdem  die
chinesische  Regierung  ausländisches  Tuch  zur  Erzeugung  militärischer  Uniformen
verwendet.  Die  früher  in  der  besseren  chinesischen  Kleidung  vorherrschende
Seide  macht  immer  mehr  Cheviots,  Draps  und  Meltons  Platz.
Konfektionswaren.  Uber  die  Einfuhr  von  fertigen  Kleidungsstücken
und  Hüten  nach  Hankau  im  Jahre  1912  berichtet  das  deutsche  Konsulat  in
Hankau 1 )  recht  übersichtlich  wie  folgt:
Die  Revolution  gab  den  Anlaß  zu  einer  ganz  plötzlichen  Änderung  der
Kleider-  und  Kopfbedeckungstracht.  Jeder  Chinese  in  Hankau  und  den  größeren
Orten  im  hiesigen  Bezirke  ließ  sich,  wenn  er  es  sich  irgendwie  leisten  konnte,
einen  Anzug  in  europäischem  Schnitt  machen  und  trug  einen  europäischen  Filzhut. ­
  Das  hat  verschiedene  Importeure  veranlaßt,  Anzugstoffe  und  fertige  Anzüge
in  großen  Mengen  einzuführen.  Es  zeigte  sich  aber,  wie  vorauszusehen  war,
bald,  daß  die  Chinesenkleidung  für  die  Bevölkerung  bequemer,  billiger  und  praktischer ­
  war,  und  ein  großer  Teil  der  jungen  modernen  Chinesen  kehrte  zur  alten
Tracht  zurück,  so  daß  nunmehr  für  europäische  Kleidung  im  wesentlichen  nur  noch
Bureau-Angestellte,  Kompradores  und  einige  andere  mit  Europäern  häufig  in  Berührung ­
  kommende  bessere  Chinesen  in  Betracht  kommen.  Die  Folge  war,  daß  die
auf  Spekulation  eingeführten  Kleider  auflagen  und  allmählich,  zum  Teil  mit  Verlust,
abgestoßen  werden  mußten.  Für  das  Landvolk  und  überhaupt  für  die  Allgemeinheit ­
  der  Bevölkerung  wird  in  absehbarer  Zeit  der  europäische  Anzug  nicht  in
Frage  kommen;  die  Einfuhr  dieses  Artikels  wird  daher  im  laufenden  Jahre  voraussichtlich ­
  wieder  nachlassen.
Anders  ist  es  mit  Hüten.  Das  Zopfabschneiden  im  mittleren  und  südlichen
China  war  allgemein,  und  der  Chinese  bedarf  jetzt  einer  Kopfbedeckung.  Der
japanische  Händler  schien  auf  diese  Umwälzung  bei  Ausbruch  der  Revolution
vorbereitet  zu  sein  und  überschwemmte  den  Markt  mit  billigen  Sportsmützen
und  Filzhüten  in  unglaublichen  Formen.  Allmählich  hat  aber  italienisches
billiges,  an  Qualität  dem  japanischen  Filzhut  überlegenes  Fabrikat  die  Oberhand
gewonnen.  Es  gehen  fast  nur  weiche  Filzhüte  mit  aufgeschlagenen  Krempen.
Deutsche  und  englische  Ware  wurde  nicht  eingeführt,  da  sie  zu  teuer  war.  Eine
deutsche  Fabrik  schien  allerdings  konkurrenzfähig  zu  sein;  hiesige  Importfirmen
lehnten  es  aber  ab,  mit  ihr  zu  arbeiten,  weil  sie  ihre  Artikel  durch  eigene  Agenten
an  einem  Küstenplatz  ein  führt  und  in  kleinen  Mengen  direkt  an  Chinesen  absetzt.
Strohhüte  kamen  aus  Japan  und  Manila;  auch  breitkrempige  deutsche  Strohhüte ­
  waren  begehrt.  Billige  Tropenhüte  lieferte  Japan;  etwas  bessere,  aber  auch
billige  Qualitäten  Indien.  Nach  einem  späteren  Bericht  entwickelt  sich  auch
der  Bedarf  an  Damenwäsche  in  China  ziemlich  stark.
*)  Nachrichten  für  Handel  und  Industrie  1913,  Heft  59.
            
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