Produktion und Einfuhr.
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geschätzt. Vornehmlich werden Tuche für das Heer und die Polizei, sowie
Decken und Schale hergestellt. In der Regel wird die einheimische Wolle mit
australischer Wolle gemischt verarbeitet. Die Fabriken decken ihren Bedarf an
Garnen zum größten Teil aus ihren eigenen Spinnereien. Nur sehr vereinzelt
werden Webgarne aus Europa bezogen. Dagegen wird die Herstellung von
Wollgeweben, Tüchern, Schalen usw. als Hausarbeit sehr stark betrieben, ebenso
auch die Teppichknüpferei.
Über die Hausindustrie berichtet das deutsche Konsulat in Bombay wie
folgt r):
Die Wollwaren, die in Indien hauptsächlich von den Eingeborenen gekauft
werden, sind billige Schlafdecken, grobe Schale, womit die Eingeborenen im
Norden während des Winters Kopf und Schulter umhüllen, Leibbinden (Kumer-
bands), Beinbinden (pattis) und gestrickte Mützen, wie sie namentlich von den
Gärtnern getragen werden. Die Europäer brauchen Stoffe für leichte wollene
Anzüge, Reisedecken, Strümpfe, Wirkwaren u. dgl. Der Bedarf für die Europäer
wird größtenteils eingeführt, der für die Inder zum Teil im Lande hergestellt,
zum Teil ebenfalls importiert. Schließlich seien noch die indischen Teppiche
erwähnt, die nicht nur die Inder, sondern auch die Europäer in Indien kaufen,
und von denen eine nicht unbeträchtliche Menge ausgeführt wird.
Die indische Produktion von Wollwaren ist teils Handarbeit, teils Fabrik
erzeugnis. Von den ersteren waren früher am berühmtesten die Kaschmirschale,
die in Europa sehr geschätzt wurden und deren Ausfuhr Indien viel Geld ein
brachte. Jetzt ist dieses Gewerbe fast ganz verschwunden.
Gegenwärtig sind geknüpfte T ep piche das wichtigste Produkt der indischen
Handfertigkeit. Die Hauptsitze des Gewerbes liegen ebenfalls im Norden, und
zwar in Amritsar, Agra, Lahore, Mirzapur usw. Zum Teil handelt es sich dabei
noch um Hausindustrie, größtenteils aber ist die Herstellung schon in „Teppich
fabriken“ konzentriert, wo eine ganze Anzahl von Arbeitern auf Rechnung
eines Unternehmers beschäftigt ist. Es werden gewöhnlich mehrere Teppiche
derselben Art zu gleicher Zeit geknüpft, und die verschiedenen Farben werden
von einem Mann, der das Muster vor' sich hat, ausgesucht. Nach demselben
Verfahren werden auch in einigen indischen Gefängnissen Teppiche hergestellt,
z. B. in Yerowda bei Bombay, in Lahore, Karachi, Jaipur, Agra usw. Einen
besonderen indischen Stil haben die Teppiche gewöhnlich nicht, es werden viel
mehr die üblichen persischen Muster benutzt, namentlich die durch das bekannte
Wiener Teppichwerk verbreiteten. Die meisten Teppiche werden, wie schon
erwähnt, in Indien selbst verkauft, ein Teil wird aber auch ausgeführt. Im
Jahre 1911 betrug die Ausfuhr über 3 Mill. Mark und ging größtenteils nach
England.
Außer Teppichen erzeugt das indische Handwerk Schale, Decken, Mützen
und dergleichen, doch liegen über den Umfang dieser Produktion keine Zahlen vor.
x ) Nachrichten f. Handel, u. Industrie 1913, Nr. 133.