Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Produktion  und  Einfuhr.

623

geschätzt.  Vornehmlich  werden  Tuche  für  das  Heer  und  die  Polizei,  sowie
Decken  und  Schale  hergestellt.  In  der  Regel  wird  die  einheimische  Wolle  mit
australischer  Wolle  gemischt  verarbeitet.  Die  Fabriken  decken  ihren  Bedarf  an
Garnen  zum  größten  Teil  aus  ihren  eigenen  Spinnereien.  Nur  sehr  vereinzelt
werden  Webgarne  aus  Europa  bezogen.  Dagegen  wird  die  Herstellung  von
Wollgeweben,  Tüchern,  Schalen  usw.  als  Hausarbeit  sehr  stark  betrieben,  ebenso
auch  die  Teppichknüpferei.
Über  die  Hausindustrie  berichtet  das  deutsche  Konsulat  in  Bombay  wie
folgt  r):
Die  Wollwaren,  die  in  Indien  hauptsächlich  von  den  Eingeborenen  gekauft
werden,  sind  billige  Schlafdecken,  grobe  Schale,  womit  die  Eingeborenen  im
Norden  während  des  Winters  Kopf  und  Schulter  umhüllen,  Leibbinden  (Kumerbands),
  Beinbinden  (pattis)  und  gestrickte  Mützen,  wie  sie  namentlich  von  den
Gärtnern  getragen  werden.  Die  Europäer  brauchen  Stoffe  für  leichte  wollene
Anzüge,  Reisedecken,  Strümpfe,  Wirkwaren  u.  dgl.  Der  Bedarf  für  die  Europäer
wird  größtenteils  eingeführt,  der  für  die  Inder  zum  Teil  im  Lande  hergestellt,
zum  Teil  ebenfalls  importiert.  Schließlich  seien  noch  die  indischen  Teppiche
erwähnt,  die  nicht  nur  die  Inder,  sondern  auch  die  Europäer  in  Indien  kaufen,
und  von  denen  eine  nicht  unbeträchtliche  Menge  ausgeführt  wird.
Die  indische  Produktion  von  Wollwaren  ist  teils  Handarbeit,  teils  Fabrikerzeugnis. ­
  Von  den  ersteren  waren  früher  am  berühmtesten  die  Kaschmirschale,
die  in  Europa  sehr  geschätzt  wurden  und  deren  Ausfuhr  Indien  viel  Geld  einbrachte. ­
  Jetzt  ist  dieses  Gewerbe  fast  ganz  verschwunden.
Gegenwärtig  sind  geknüpfte  T  ep  piche  das  wichtigste  Produkt  der  indischen
Handfertigkeit.  Die  Hauptsitze  des  Gewerbes  liegen  ebenfalls  im  Norden,  und
zwar  in  Amritsar,  Agra,  Lahore,  Mirzapur  usw.  Zum  Teil  handelt  es  sich  dabei
noch  um  Hausindustrie,  größtenteils  aber  ist  die  Herstellung  schon  in  „Teppichfabriken“ ­
  konzentriert,  wo  eine  ganze  Anzahl  von  Arbeitern  auf  Rechnung
eines  Unternehmers  beschäftigt  ist.  Es  werden  gewöhnlich  mehrere  Teppiche
derselben  Art  zu  gleicher  Zeit  geknüpft,  und  die  verschiedenen  Farben  werden
von  einem  Mann,  der  das  Muster  vor'  sich  hat,  ausgesucht.  Nach  demselben
Verfahren  werden  auch  in  einigen  indischen  Gefängnissen  Teppiche  hergestellt,
z.  B.  in  Yerowda  bei  Bombay,  in  Lahore,  Karachi,  Jaipur,  Agra  usw.  Einen
besonderen  indischen  Stil  haben  die  Teppiche  gewöhnlich  nicht,  es  werden  vielmehr ­
  die  üblichen  persischen  Muster  benutzt,  namentlich  die  durch  das  bekannte
Wiener  Teppichwerk  verbreiteten.  Die  meisten  Teppiche  werden,  wie  schon
erwähnt,  in  Indien  selbst  verkauft,  ein  Teil  wird  aber  auch  ausgeführt.  Im
Jahre  1911  betrug  die  Ausfuhr  über  3  Mill.  Mark  und  ging  größtenteils  nach
England.
Außer  Teppichen  erzeugt  das  indische  Handwerk  Schale,  Decken,  Mützen
und  dergleichen,  doch  liegen  über  den  Umfang  dieser  Produktion  keine  Zahlen  vor.

x )  Nachrichten  f.  Handel,  u.  Industrie  1913,  Nr.  133.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.