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studiert, jetzt warf mich eine förmliche Wut darauf.
Indem ich die Prozesse führte, wurde ich selbst Jurist;
in wenigen Monaten konnte ich cs mit den Advokaten
aufnehmen, und nach zwei Jahren, ich darf es sagen,
übertraf ich sie alle.
Gleichzeitig wandte ich mich an die demokratische
Presse. Die ganze demokratische Presse erhob sich auf
meinen Ruf. Ich vernichtete den Grafen in der öffent
lichen Meinung. Es war ein täglicher Kampf und ein
Kampf auf Leben und Tod. Bei dieser Gelegenheit
ließ mich Heine, wie ich Ihnen bereits einmal erzählte,
im Stich, und zwar deshalb, weil die Baronin Meyen-
dorff die Freundin der anderen russischen Spionin,
der Fürstin Lieven, und diese wieder die spezielle Freun
din von Guizot war, von dem Heine eine Pension
bezog.
Aber wenn er mir fehlte, so unterstützten mich doch
andere, und es gab täglich ein Toben in der ganzen
demokratischen Presse gegen den Grafen.
Unterdessen kam die Assisensitzung wegen des Kri
minalprozesses gegen Oppenheim.
Er gestand die Tat, aber auch die Gründe, die ihn
dazu verleitet, und da es mehr als unwahrscheinlich war,
daß er sich durch die Kassette der Frau von Meyendorff
hatte bereichern wollen, und da die öffentliche Meinung
vollständig auf unserer Seite war, so wurde er feierlich
freigesprochen.
Jetzt aber zeigte er sich schwach. Seine ganze Familie
war nach Köln gekommen und flehte ihn an, mit ihr
zurückzukehren. Man bat, beschwor ihn. Und dieser
Mann, dessen wunderbare Haltung ich soeben gerühmt